St. Pauli

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LutzEhemaliger Wirt Hotel zur Kogge und immer noch mein Frund, heute noch.

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St. Pauli ist ein Hamburger Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte. Durch das in St. Pauli gelegene Vergnügungsviertel entlang der Reeperbahn ist der Name weit über die Grenzen von Hamburg hinaus bekannt.

Die Ritze
St. Pauli – und was aus der Reeperbahn geworden ist

St. Pauli oder Hamburg(er) Berg war durch seine Nähe zur Hafenstadt Hamburg prädestiniert für eine schillernde Sozialstruktur.
Früher mussten gesellschaftliche Gruppen, die nicht sozial anerkannt waren und die man in der Stadt nicht haben wollte, vor der Stadt wohnen und sich durchschlagen. Das führte dazu, dass sich viele problematische Gruppen in St. Pauli ansiedelten, die in Hamburg nicht geduldet wurden. Hamburg selbst war als grosse Hafenstadt voller positiver und negativer Einflüsse.
Das Milieu in St. Pauli setzte sich besonders an der und um die Reeperbahn fest, weil diese lange Strasse Hamburg und St. Pauli verband. Ursprünglich wurden die Seile für die Schiffe noch entlang solcher relativ gerader Strassen geflochten und aufgespannt.
WILFRID „FRIEDA“ SCHULZ – DER PATE

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Im Zweiten Weltkrieg erlebte St. Pauli grosse Zerstörungen und musste wieder aufgebaut werden. Viele Menschen lebten in grosser Armut und versuchten, sich mit dubiosen Geschäften über Wasser zu halten.
In dieser Zeit bildeten sich wieder kriminelle Strukturen. Eine bedeutende Rolle spielte damals Wilfrid Schulz. Schulz hatte als Hafenarbeiter („Bananenpacker“Smilie: ;) und Kellner angefangen und konnte sich dann schrittweise hocharbeiten. Dabei kamen ihm seine Boxkünste zu Gute. In den 60er-Jahren konnte er dann ein Machtmonopol aufbauen. Er setzte sich damals gegen Konkurrenz aus Italien und Österreich durch und wurde bald „Der Pate“ genannt. Seine zweiten Spitznamen „Frieda“ hörte er weniger gerne.
Den Machtkampf gegen die „Loddels“ aus Österreich gewann Schulz dadurch, dass er den „Wiener Bären“, Arnold Sellner, mit mehreren Messerstichen ins Gesäss „antöten“ liess.
Zur Festigung seines Gewaltmonopols baute er eine Art Gerichtshoheit auf. Der Einsatz von Schusswaffen sollte vermieden werden (Ehrencodex „Ohne Waffen).
Als Hauptquartier dienten ihm und seinen Helfern verschiedene Wirtshäuser bzw. Gaststätten in St. Pauli. Später konzentrierte sich Schulz auf das Edelbordell „Café Cherie“ am Steindamm in St. Georg.
Wilfrid Schulz konnte gegenüber Gegnern Kiezverbote aussprechen, die diese wirtschaftlich in den Ruin treiben konnten. Schulz verdiente sein Geld mit Gastronomie, Prostitution, Handel mit illegalen Substanzen und Glücksspiel. Die in der damaligen Zeit gehandelten Drogen waren Cannabis und diverse synthetische Drogen (Pervitin, Captagon). Kokain spielte erst ab den 70ern wieder eine grössere Rolle.
Daneben verfügte Schulz mutmasslich über Kontakte ins Ausland, v. a. zur Mafia in den USA, die ihm in den 70er-Jahre Besuche abstattete.
Die Einhaltung des eigenen Codex „ohne Waffen“ gelang nicht immer. Schulz und seine rechte Hand Uwe „Dakota-Uwe“ Carstens verpassten z. B. dem konkurrierenden persischen Zuhälter und Ringer „Aqua“ Schüsse ins Bein. Auch werden Schulz Morddrohungen gegen „Singvögel“ angelastet.
Über undichte Stellen bei der Polizei (Verdacht: Kriminaldirektor Hans Zühlsdorf) bekam er Informationen über V-Männer im Milieu ins „Café Cherie“, ein Edelbordell geliefert. Diese Informationen soll er ins Milieu weiterverkauft haben. Danach starben anfang der 80er-Jahre einige V-Männer.
Um Schulz und seine rechte Hand Uwe Carstens herum stiegen viele später berühmte Kiezfiguren auf, darunter Ringo Klemm, Stefan Hentschel und Ronald Miehling (als Enforcer).
Die Justiz konnte Schulz nur wegen relativ geringer Straftaten belangen wie z. B. Urkundenfälschung. Anfang der 1980er-Jahre musste Schulz dann wegen Steuerhinterziehung für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Polizei hatte insgesamt immer bessere Mittel zur Überwachung der Luden in der Hand.
Doch da hatte Schulz bereits mit seinem schrittweisen Rückzug aus den Kiezgeschäften begonnen. Jüngere Banden rückten nach und beanspruchten das Feld für sich, obwohl Schulz immer noch stark war.
Das Auftreten der jüngeren Luden war anders: Statt Jacketts liebten sie das Outfit von Paradiesvögeln. In den 80er-Jahren zur Zeit von Miami-Vice-Klamotten und Föhnfrisuren wurde das Prinzip auf die Spitze getrieben.
Hinzu kam noch Schulz‘ sich verschlechternder Gesundheitszustand: Er hatte Prostatakrebs und konnte das auch durch neuere Mercedes-Modelle nicht mehr kaschieren. Schulz starb Anfang der 90er-Jahre, sein Kollege Dakota Uwe erschoss sich wenige Jahre später aufgrund geschäftlicher und gesundheitlicher Probleme.
GMBH

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Harry Voerthmann, Walter „Beatle“ Vogeler und Uwe Schwensen; Michael Luchting

Die GMBH auf Hamburg-St. Pauli war eine Zuhälterbande der 70er- und 80er-Jahre. Es handelt sich dabei nicht um eine GmbH im klassisch-juristischen Sinne, sondern um ein Akronym ihrer wichtigsten Mitglieder Gerd (Gerhard Glissmann), Mischa (Michael Luchting), Beatle (Walter Vogeler) und Harry (Harald Voerthmann). Die GMBH verfügte bald über einen gewaltigen Einfluss im Kiez und machte Millionenumsätze. Die GMBH herrschte über ein weitverzweigtes Netz von Beteiligungen. Besonders stark war sie im Grossbordell Eros Center aktiv. Hier gab es auch Zuhälter (z. B. im Bel Ami), die am Rande der GMBH agierten, aber nicht zu ihrer Kernstruktur gehörten.
Gerd Glissmann wurden auch Kontakte zu den Hells Angels nachgesagt.

Die GMBH wurde zu Beginn der 70er-Jahre gegründet und besass ein eigenes Vereinslokal. Sie trat dabei als Grösse neben den Paten Wilfried Schulz, der aber immer noch mächtig war.
In den 70er-Jahren liefen die Geschäfte auf dem Kiez noch recht gut. Durch den Eisernen Vorhang war die Szene quasi geschützt vor allzu grosser ausländischer Konkurrenz. Trotzdem gab es von Anfang an auch Zuhälter aus dem Ausland. Es gab auch noch keine merkliche Trübung durch Wirtschaftskrisen oder die spätere AIDS-Angst. Die GMBH trug ihren Wohlstand offensiv zur Schau und fuhr Luxusautos der Marken Mercedes, Porsche oder im Falle von Michael Luchting auch einen Rolls-Royce.
Angeblich soll sie im Monat bis zu 200.000 DM Umsatz gemacht haben.

Die GMBH erhielt ihre erste bedeutende Konkurrenz durch die Nutella, eine Bande von Jungluden, die in den späten 70er Jahren zu Einfluss gelangten. Ärger gab es aber auch mit der Chikago-Gruppe am Hans-Albers-Platz, zumal Michael Luchting den dortigen Zuhältern Prostituierte abwerben wollte.
1981 wurde Fritz „Chinesen Fritz“ Schroer im Lokal „Die Ritze“ erschossen. Man vermutet, dass sich sein Partner Peter „Wiener Peter“ Nusser, der dem Chikago nahestand, endgültig von ihm trennen wollte. Bis heute konnte das aber nicht bewiesen werden. Es wirkte so, als sei Schroer gezielt in eine Falle gelockt worden. Als Schütze spekulierte man über einen Südländer oder einen Deutschen, der sich südländisch verkleidet hätte, wie z. B. Dietmar „Lackschuh“ Traub, der im Anschluss an die Tat Schroers Rolle einnahm.
1982 kam es dann zu einer Schiesserei im Eros-Center, bei dem 2 Männer der Nutella starben und Thomas Born angeschossen wurde. Die Tat ging in die Kiez-Annalen ein.
Kurz darauf starb Michael Luchting, das M der GMBH. Es ist nicht klar, ob er ermordet wurde oder sich dass Leben nahm. Luchting war vorher während eines Gefängnisaufenthaltes in Spanien von seinen GMBH-Kollegen ausgebootet worden und wurde kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Hamburg bei einem Hochsitz erhängt aufgefunden. Sowohl Mord als auch Selbstmord sind möglich. Luchting wurde durch die Behandlung im spanischen Gefängnis und den Verrat seiner Kompagnons depressiv, allerdings versuchte er auch, über Statthalter seinen Einfluss auf den Kiez („Claims“Smilie: ;) zu wahren, von denen dann einige erschossen wurden. Ausserdem fanden sich in der Nähe des Erhängten in seinem Auto zwei seltsame Bekennerbriefe Luchtings.

Die GMBH hat sich zu Beginn der 80er-Jahre selbst aufgelöst, um entsprechenden Polizeimassnahmen zuvorzukommen. Kriminelle Handlungen können, wenn sie in einer Bande/Vereinigung begangen werden, schwerer bestraft werden. Dabei soll aber nicht der ganze Besitz „verloren“ gegangen sein. Angeblich hat Gerd Glissmann einige Anteile an die Hells Angels verkauft. Ich selbst traf ihn vor ein paar Jahren auf einem  Us-Car-Treffen in Hannover,wo er wie er mir erzählte auch noch einen Laden hat.  Beatle verstarb leider 2012 an Zucker .
NUTELLA

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Tommy Born

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Thomas „Karate Tommy“ Born                                                                                                                   Klaus „Schöner Klaus/Lamborghini-Klaus“ Barkowsky

Die Nutella war eine Bande von Jungluden, die sich in den späten 70er-Jahren als Konkurrenz zur bestehenden GMBH etablierte. Nutella war anfangs als Schimpfwort gedacht, wurde aber bald als Eigenbezeichnung verwendet.
Die Nutella-Bande galt vom Auftreten her als jünger und frischer. Das traf sowohl auf ihre Prostituierten als auch auf ihre amerikanischen Sportwagen zu. Ihre Konkurrenz zur GMBH wurde medial ausgeschlachtet. Beide Gruppen hatten ihr jeweiliges Stammlokal (Hauptquartier) und in Grossdiskotheken Bereiche, in denen sie wie an einem Stammtisch Hof halten konnten. Dabei hatte man sich gegenseitig im Auge.

Die Führungspersonen der Nutella sind nicht alle bekannt. Klar ist aber, dass Klaus „Schöner Klaus/Lamborghini-Klaus“ Barkowsky eine grosse Rolle spielte, und neben ihm der Enforcer (Durchsetzer, Abteilung Stress) Thomas „Karate-Tommy“ Born.  Ferner gehörten noch Waldemar „Neger-Waldi“ Dammer, Siegfried Träger und Ralf „Korvetten-Ralf“ Kühne dazu.

Einige Mitglieder der Nutella starben durch Schiessereien oder Herzinfarkt. Zugesetzt haben der Nutella-Bande neben den Kiezstreitigkeiten auch die polizeilichen Ermittlungen der frühen 80er-Jahre. Die Polizei konnte die Nutella noch in relativer Stärke packen, während die GMBH schon im Niedergang war.
Der Schöne Klaus ist heute Künstler. Thomas Born Schauspieler und Sicherheitsberater.
CHIKAGO (HANS-ALBERS-PLATZ-GRUPPE)

karlheinsschwensen   Kalle Schwensen ( Neger Kalle )

https://youtu.be/rmcFzfZKQXE

 

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Josef Peter „Wiener Peter“ Nusser

Das Chikago war die dritte grosse Gruppe aus der Zeit des Kiezkriegs und eine der gefährlichsten.
Die Chikago ist bekannt nach einem „Eis-Café“ am Hans-Albers-Platz, das später Chicago geschrieben wurde, dann mehrfach umbenannt wurde und heute Frieda B heisst.
Das Chikago wurde als Musikkneipe nach der Auflösung des durch die Beatles berühmt gewordenen Star Clubs berühmt. Als der Mitbesitzer Gustav „Jonny“ Burger 1972 durch einen Autounfall starb, erlangte Reinhard „Ringo“ Klemm die Kontrolle über das Chikago. Bis Ende der 70er-Jahre spielte auch noch Janny Gakomiros eine Rolle im Chikago. Klemm hatte gute Beziehungen zu Uwe Carstens, der rechten Hand von Wilfried Schulz.
Unten im Haus wurden Restauration und Musik geboten, oben Prostitution (Chikago II).
Mit dem Chikago werden ausser Klemm viele Männer in Verbindung gebracht: Kalle Schwensen, Uwe Bolm (+ 1987), Hans-Joachim „Joe Marx“, Holger Sass, Bernd Wünsch (+ 1987), Gerd Gabriel u. a.
Auch Josef Peter „Wiener Peter“ Nusser werden Verbindungen zum Chikago nachgesagt. Nusser hatte v. a. im Palais d’Amour direkt nördlich der Reeperbahn Bordellbeteiligungen.
Er gilt als einer der Auftraggeber des sog. St.-Pauli-Killers Werner Pinzner. Pinzner hatte die Aufgabe, Konkurrenten von aussen wie Abtrünnige in den eigenen Reihen auszuschalten. Über ihn wurde offenbar versucht, Einfluss auf das Rotlichtmilieu in vielen wichtigen Städten (West-)Deutschlands zu erlangen. Bevor man ihn aber selber aus dem Weg räumen konnte, wurde er von der Polizei verhaftet. Dort sagte er zuerst über einige Morde aus, erschoss dann aber 1986 einen Staatsanwalt, seine Frau und sich selbst.
Über weitere Hintermänner Pinzners neben Peter Nusser wird spekuliert.
Mit dem Wechsel zu den 80er-Jahren spielte der Kokainhandel eine immer grössere Rolle in St. Pauli.
Auch dem Hans-Albers-Platz wurde hier ein Engagement nachgesagt. Durch die hohen Gewinnspannen und den durch Kokain leicht eintretenden Kontrollverlust eskalierten die Auseinandersetzungen immer mehr.
Der Hans-Albers-Platz soll dabei Konflikte mit der Nutella und der Gruppe um Stefan Hentschel ausgetragen haben. Seine Haltung gegenüber der GMBH ist unklar.
Eigentlich galt die Reeperbahn als nördliche Einflussgrenze des Chikago, obwohl Peter Nusser im knapp nördlich von ihr liegenden Palais d’Amour seine wichtigsten Bordellbeteiligungen besass. Heute entwickelt Peter Nusser, Apps.

http://www.mopo.de/image/5991910/max600x600/408/600/86c044969f77a4d9a7ab00eda58f60d6/yH/mucki-werner-pinzner-jpg.jpg

https://youtu.be/qLsaTuMVDPw

Der Anfang vom Ende

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Der Anfang vom Ende St. Pauli`s war der Mord von  Chinesen – Fritz

Stefan Hentschel

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Stefan Hentschel + 18.Dez. 2006

Der „göttliche Zuhälter “ Stefan Hentschel spielte auch eine grosse Rolle auf dem Kiez.

Stefan Hentschel gilt als jemand, der sich keiner der bestehenden Banden anschloss. Trotzdem war er nicht ohne Netzwerk. Hentschel wird in der Nähe zur GMBH verortet und arbeitete eng mit dem Geldgeber Axel Gantwurzel zusammen. Ferner hatte er laut Dagobert Lindlau („Der Lohnkiller“Smilie: ;) Kontakt zu Gerd Glissmann und Uwe Schwensen, dem Nachfolger von Michael Luchting in der GMBH und Halbbruder von Kalle Schwensen. Hentschel arbeitete auch gerne mit schwarzen Zuhältern wie Waldemar „Neger Waldi“ Dammer zusammen (das ist aber nicht der einzige Fall).
Neben anderen Etablissements führte er Regie über den Salon Mademoiselle und das Bel-Ami im Eros Center. Hentschel kam durch sein sportliches Auftreten zunächst gut bei den Frauen an und führte erfolgreich seine Geschäfte. Doch nach einem Streit mit anderen Zuhältern wurde der St.-Pauli-Killer Werner Pinzner auf ihn angesetzt. Durch die lange Flucht vor Pinzner, Betrügereien seiner Kollegen und seinen exorbitanten Lebensstil geriet Hentschel aber allmählich in geschäftliche Schwierigkeiten. Seinem ehemaligen Geschäftspartner Gantwurzel gelang stattdessen mit der Investition in das Edelbordell „Relax“ der grosse Wurf (beschrieben auch bei Ronald Miehling im „Schneekönig“Smilie: ;). Später erkrankte G. aber schwer.
Hentschel investierte in den 90ern nach seiner Zeit im Eros-Center zunächst in das Etablissement Base, das anfangs gut lief, aber dann von seinem Geschäftspartner zwecks Versicherungsbetrug gesprengt wurde. Dann versuchte er sich im zivilen Geschäftsleben, was aber auf längere Sicht scheiterte. Hentschel leitete eine Zeit lang eine Putzkolonne in einem Altersheim, das dem CDU-Politiker Michael Fuchs gehörte. Am Ende wurde er aber entlassen. Dann versuchte er noch, sich durch Medienprojekte und ein Buch über Wasser zu halten, doch auch das scheiterte. Im Dezember 2006 nahm er sich in der Boxkneipe „Die Ritze“ das Leben

Die Kultkneipe “ Ritze “

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hanneundfraudie Ritze                                                                                               Hanne Kleine mit Frau Kirsten
Die Ritze ist eine der berühmtesten und berüchtigsten Kneipen auf dem Kiez, das ist St.Pauli Pur. Sie wurde jahrelang von Hanne Kleine geführt, leider verstarb er am 04.11.2011. Heute dient die Ritze nur noch als Puplikumsmagnet für Kiezführungen.

Gemalt wurden diese Beine von Erwin Ross dem „Rubens von der Reeperbahn“, der nicht nur so ziemlich jeden alteingesessenen Stripschuppen mit seinen Pin-Ups verziert hat, sondern auch das Schlagzeug der Beatles und Rattles mit deren Namenszug versah. Eine der letzten alten Legenden vom Kiez.

Die Essohäuser

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Die wirklich schönen und goldenen Zeiten sind leider vorbei

St.PauliGrabsteinTommy Born

Zur Ritze

Der Eingang zur Ritze.

Im Boxkeller

Zur Ritze ist eine Kneipe mit Boxring im Keller in Hamburg-St. Pauli. Sie befindet sich im Hinterhof und hat eine berühmte Eingangstür, die rechts und links von zwei gespreizten Frauenbeinen mit High Heels flankiert ist, aufgemalt von Erwin Ross. Das Lokal gilt als bekannteste Kneipe St. Paulis.

Auch heute noch wird die Ritze als Boxraum genutzt. In der darüberliegenden Kneipe sind an den Wänden Autogramme von Gästen: Trainiert haben in dem Boxraum Dariusz Michalczewski, Henry Maske, Vitali und Wladimir Klitschko, Ben Becker und Zuhälter St. Paulis.

Gegründet wurde die Schankwirtschaft durch Hans Joachim „Hanne“ Kleine. Das Lokal wurde etwa 1974 gegründet, der schriftliche Mietvertrag über die Räumlichkeiten datiert aber auf das Jahr 1982. 1981 wurde in dem Lokal der Zuhälter „Chinesen-Fritz“ erschossen. 2006 erhängte sich der frühere „Pate von St. Pauli“ Stefan Hentschel im Keller der Ritze. Hanne Kleine verstarb 2011, seither wird das Lokal durch seine Witwe geführt.

St.-Pauli-Urgestein Abschied von Hanne Kleine – so trauert der Kiez

Etwa 500 Trauergäste – darunter Udo Lindenberg, Heinz Hoenig, René Weller, Karl-Heinz Schwensen – waren zum Friedhof Ohlsdorf gekommen.
Hamburg. „Wir trauern um unseren Hanne“ steht auf einem Schild an der Spitze des Trauerzuges: Am späten Nachmittag zogen etwa 100 Freunde und Wegbegleiter des legendären Kiez-Wirtes Hanne Kleine in einem Trauermarsch über die Reeperbahn auf St. Pauli. Der frühere Wirt der Box-Kneipe „Zur Ritze“ war am 4. November im Alter von 79 Jahren in Hamburg gestorben. In schwarzen Jacken und Mänteln, zum Teil auch mit schwarzen Sonnenbrillen, marschierten die Trauergäste vom Beatles-Platz aus über die Reeperbahn, Davidstraße, Friedrichstraße und den Hans-Albers-Platz.
Zuvor hatten etwa 500 Menschen am Mittag auf dem Friedhof Ohlsdorf Abschied von Hanne Kleine genommen. Unter den Trauernden waren Sänger Udo Lindenberg, Schauspieler Heinz Hoenig, Boxer René Weller, Geschäftsmann Karl-Heinz Schwensen und Kiez-Original Olivia Jones. Auch zahlreiche Größen aus dem Milieu – Männer in schwarzen Ledermänteln und mit dunklen Sonnenbrillen – hatten sich in der Kapelle versammelt. Auf dem Parkplatz in Ohlsdorf standen ein Rolls Royce, eine Stretch-Limousine und ein Hummer.
Der reich geschmückte Eichensarg war mit der Aufschrift „Zur Ritze“ verziert. Die Trauerfeier wurde wegen des großen Andrangs sogar auf Monitore in den Vorraum der Kapelle übertragen. Drinnen: Stilles Gedenken, Lieder von Udo Lindenberg, Vicky Leandros und das Ave Maria. Am Ende tragen Männer den Sarg an den Trauernden vorbei zur Grabstätte.
„Ich werde Hanne als wunderbar ehrlichen, humorvollen und großherzigen Menschen in Erinnerung behalten“, sagte Travestie-Künstlerin Olivia Jones. „Der Kiez ist nicht mehr der Kiez ohne Hanne.“ Auch Udo Lindenberg und sein Bodyguard Eddy Kante nahmen an der Trauerzeremonie teil. „Mit Hanne ist der letzte Dinosaurier, der letzte korrekte Mensch gegangen“, sagte Kante. „Auf dem Kiez läuft ja inzwischen alles nur noch drunter und drüber.“

Ralf-Udo Berger, Betreiber eines Saunaclubs am Hans-Albers-Platz und langjähriger Bekannter des verstorbenen „Ritze“-Wirts, erinnert sich: „Wenn er beim Boxen nicht genug geschwitzt hatte, kam Hanne immer zu mir in die Sauna.“
Dichtes Gedränge herrschte in der „Ritze“ selbst. Hier versammelten sich zahlreiche Freunde und Bekannte zur Trauerfeier, darunter auch Schauspieler Jan Fedder. Bis 21 Uhr ist die Kneipe nur für geladene Gäste zugänglich.
Dass die „Ritze“, die zukünftig von Kleines Ehefrau betrieben wird, ihre Stammkundschaft auch weiterhin behält, steht für Olivia Jones außer Frage. „Die ‚Ritze‘ ist Hannes Lebenswerk. Ich bin mir sicher, dass Kirsten sie in Hannes Sinne weiterführt.“

Hanne Kleine: Kiez-Urgestein vom alten Schlag
Mehr als vier Jahrzehnte war St. Pauli sein Zuhause, mit seiner Kneipe „Zur Ritze“ schuf er sich selbst ein Denkmal. Hanne Kleine war einer der Mitbegründer des St.-Pauli-Kults.
1967 war der Magdeburger nach Hamburg gekommen, ein Mittelgewichtsboxer der DDR-Nationalmannschaft, der sich außerhalb des Boxrings allerdings nur ungern an Regeln hielt. Statt einem Leben mit geregelten Arbeitszeiten startete Hanne mit „Gastronomie und Zimmervermietungen“ seine Reeperbahn-Karriere.
Hinter der Eingangstür mit den gespreizten Frauenbeinen seiner „Ritze“ fand sich das Milieu des Rotlichtviertels beim Bier zusammen: Prominente, Prostituierte und Touristen saßen hier nebeneinander, und Kleine kannte seine Gäste. Der Wirt teilte jedoch nicht nur an der Theke aus, sondern auch im Ring: In seinem Boxkeller unter der Kneipe trainierten neben ihm und Kiezbewohnern auch Champions wie Eckhard Dagge, Henry Maske oder Darius Michalczewski.
Der sonst gemütlich wirkende Wirt konnte auch mal wütend werden: „Wenn mein Stammplatz nicht frei ist, ärgere ich mich so, dass ich sofort wieder gehe“, erzählte er einmal. Im März 2010 würdigte der Kiez seine Legende mit einer Show im St.-Pauli-Theater. Der schlichte Titel: Ritze. Auch die ARD-TV-Serie „Großstadtrevier“ nutzte sein Lokal als Schauplatz. Nun soll es ohne ihn weitergehen in der „Ritze“. Sein Platz an der Theke bleibt frei, wenn seine Witwe Kirsten bald wieder hinter dem Tresen steht.

Hamburg-St. Pauli
Geografische Lage

Grenzstein zwischen Altona und Hamburg von 1896 in der Brigittenstraße
Der Stadtteil schließt sich westlich an die Neustadt an. Die Grenze verläuft hier in einem Bogen entlang der ehemaligen Hamburger Wallanlagen, beginnend im Norden am Dag-Hammarskjöld-Platz (südlich des Dammtorbahnhofes) folgt sie dem Verlauf von Marseiller Straße/Bei den Kirchhöfen/Holstenglacis/Glacischaussee/Helgoländer Allee. Im Süden bildet die Norderelbe und der Hamburger Hafen mit dem am Südufer gelegenen Steinwerder den Abschluss. Die Westgrenze zur ehemaligen Stadt Altona, mit dem heutigen Stadtteil Altona-Altstadt (Bezirk Altona), verläuft von Norden über Bernstorffstraße/Kleine Freiheit/Pepermölenbek/Trommelstraße/Antonistraße bis zur Elbe.
Bis 1938 verlief die Stadtgrenze zu Altona anders. So gehörten die Straßen Schulterblatt, Beim Grünen Jäger und Kleine bzw. Große Freiheit zu Altona (die letztgenannten Bezeichnungen gehen auf die in Altona bestehenden Religions- und Gewerbefreiheiten zurück). Im Gegenzug gehört der ehedem teilweise sanktpaulianische Bereich um Lange Straße/Hein-Köllisch-Platz/Pinnasberg nebst dem neu angelegten Antonipark heutzutage zu Altona, so auch die klassizistische St.-Pauli-Kirche (erbaut 1819) am Pinnasberg oder der St.-Pauli-Fischmarkt benannte Straßenzug.
Im Norden bildet in etwa der Bahndamm der Verbindungsbahn vom Dammtor- bis zum Sternschanzenbahnhof die Grenze zu Rotherbaum (Bezirk Eimsbüttel) und zum Stadtteil Hamburg-Sternschanze, der größtenteils aus ehemals zu St. Pauli gehörenden Flächen 2008 neu gebildet wurde. Die weitere Grenze zum neuen Stadtteil verläuft über Schanzenstraße/Lagerstraße/Sternstraße/Neuer Kamp und über die Stresemannstraße wieder hinauf bis zur Ecke der Bernstorffstraße.
Geschichte
Der „Hamburger Berg“


Die früheste Besiedlung im Bereich des heutigen Stadtteils St. Pauli bildete ein Zisterzienserinnen-Kloster, das um 1247 in der Nähe des heutigen Fischmarkts an der Mündung des Baches Pepermölenbek in die Elbe gegründet wurde. Es bestand an dieser Stelle bis 1293, wurde dann jedoch ins ruhigere Alstertal verlegt. In diese Jahrzehnte fällt auch die Einbeziehung des Gebietes westlich der Hamburger Kernstadt bis zum Pepermölenbek in das städtische Weichbild. Das Wohnen war dort jedoch, laut einem Verbot des Hamburger Rates aus dem Jahre 1306, nicht gestattet. Trotzdem bildete sich allmählich eine Besiedlung, zu der ab etwa 1550 auch vereinzelte Landhäuser Hamburger Bürger gehörten.

Der Hamburger Berg
Nach Ausbruch einer Pestepidemie im Jahre 1604 wurde in den Jahren 1605 bis 1607 der so genannte „Pesthof“ im Bereich der heutigen Annenstraße errichtet. Er bestand bis zur Zerstörung der Vorstadt Hamburger Berg durch die napoleonischen Besatzungstruppen im Winter 1813/14. Der Pesthof war ein Krankenhaus für an epidemischen oder auch psychischen Krankheiten leidende Kranke. Das für 700 bis 900 Insassen eingerichtete Hospital wurde von der Kirche getragen. Ab 1679 wurden hier auch die „würklich Tollen“ in einer Art von verschlossener Koje untergebracht. Diese so genannten „Tollkisten“ standen reihenweise in Sälen und hatten lediglich ein handgroßes Loch nach Außen. Der Pesthof hatte einen so guten Ruf, dass auch von außerhalb (gut zahlende) Patienten kamen. Deretwegen wurden ab 1764 keine „bößen Tolle“ – nach heutiger Sicht psychisch kranke Straftäter – mehr aufgenommen, sondern sie verblieben im Spinnhaus, einem Gefängnis. 1797 wurde der Pesthof in „Krankenhof“ umbenannt.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden – zwischen 1616 und 1625 – zahlreiche Hügel des Vorortes Hamburger Berg im Zuge der Errichtung der Neubefestigung der Stadt planiert, um Material für die Errichtung der außerordentlich hohen Festungswälle zu gewinnen und zugleich freies Schussfeld („Glacis“) vor den Mauern am damaligen Millerntor zu haben. Dabei wurde ein Teil des Vororts in die Neustadt des Hamburger Stadtgebietes einbezogen.

Blick auf die Elbe um 1900

Spielbudenplatz um 1900


Wegen des freien Schussfeldes waren Ansiedlungen zunächst verboten, doch seit dem 17. Jahrhundert wurden Betriebe, die wegen Geruchsentwicklung, Wasserverschmutzung oder Lärm in der Stadt unerwünscht waren, in den Vorort verbannt. Die Seilmacher (Reepschläger), die viel später der Reeperbahn ihren Namen gaben, zogen 1633 hierher, weil sie in den Mauern der Stadt nicht mehr den nötigen Platz für ihr Gewerbe fanden. Im gleichen Jahr werden eine Ölmühle und eine Glashütte nördlich des Heiligengeistfeldes erwähnt. Etwa um diese Zeit begann auch die Tradition des Amüsierbetriebs in diesem Gebiet, es entstand ein Spielbudenplatz, an dem zwischen einigen Krambuden, Gaststätten und Tanzdielen eine Art Jahrmarkt durch reisende Händler und Schausteller ansässig wurde. Ungefähr seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, den Hamburg unbeschadet überstand, dehnte sich auch die Bebauung des Hamburger Berges vom ersten Siedlungskern am Pepermölenbek nach Osten in Richtung der Reeperbahnen aus. Nach 1649/50 wurden die T(h)ranbrennereien an das Elbufer verlegt. Dort hatten auch mehrere Schiffswerften und das Hanfmagazin ihren Standort. Nördlich davon entstand an der Geestkante, im Gebiet der Straße Pinnasberg, eine neue Bebauung. Weitere Häuser entstanden im nördlichen Teil des Gebietes (im heutigen Karolinenviertel). Die Stadt Altona auf der anderen Seite war nicht umfestet und die Grenze offen, das Nobistor war nur dem Namen nach ein Tor, sondern eher eine Passage nach der Brücke über den Pepermöhlenbeck.
Unter der napoleonischen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Hamburger Berg von den Franzosen vollständig abgerissen – wiederum, um vor dem nunmehr von Frankreich besetzten Hamburg freies Schussfeld zu haben. Nach dem Abzug der Franzosen wurde der Vorort sehr schnell wieder aufgebaut; bereits 1820 war der vorherige Zustand wiederhergestellt. 1804 wurde Johann Georg Kerner als „Arzt für die Baracken“, so hießen die Häuser zu dieser Zeit auf dem Hamburger Berg, eingesetzt.
An den Hamburger Berg erinnert heute noch eine Seitenstraße der Reeperbahn – sie hieß von 1865 bis 1938 Heinestraße, benannt nach dem Bankier Salomon Heine. Dieser hatte 1841 das am Ende dieser Straße gelegene israelitische Krankenhaus im Rahmen einer von ihm gegründeten Stiftung zum Andenken an seine Frau Betty errichten lassen. Es sollte ausdrücklich bedürftigen Kranken aller Konfessionen offenstehen. 1938 wollten die Nationalsozialisten durch die Umbenennung dieser Straße in eben Hamburger Berg die Erinnerung an den jüdischen Wohltäter tilgen. Seit einigen Jahren bemüht sich eine Initiative um die Wiederherstellung des Straßennamens „Heinestraße“ – bisher ohne Erfolg.
Die Vorstadt
1833 wurde das Gebiet als Vorstadt St. Pauli unter städtische Verwaltung gestellt. Allerdings lag die Vorstadt immer noch vor den Stadtmauern und litt unter der Torsperre. Ein starkes Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert führte zu Wohnungsmangel, dem man durch starke Verdichtung der Bebauung durch Hinterhäuser und Ähnliches zu begegnen versuchte. Vollständig eingemeindet wurde St. Pauli 1894.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte besonders der Amüsierbetrieb Aufschwung. Die vorher verbreiteten Buden – ein zentraler Platz heißt heute noch Spielbudenplatz – wurden durch feste Häuser für Theater, Zirkus, Trinkhallen oder andere Amüsierbetriebe ersetzt.
Der Stadtteil

St. Pauli bei Nacht 1908
1894 wurde die Vorstadt zum Hamburger Stadtteil.
Bis zum Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 war das Gebiet geteilt. Nur der östliche Teil gehörte zu Hamburg, der westliche – einschließlich der Straße Große Freiheit – gehörte zur Stadt Altona. Verwaltungstechnisch gehört St. Pauli heute zum Bezirk Hamburg-Mitte.
Rund um die Schmuckstraße befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines Chinatown. In der so genannten Chinesenaktion der Hamburger Gestapo wurden am 13. Mai 1944 etwa 120 bis 130 chinesische Männer verhaftet und im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert und misshandelt. Eine Gruppe dieser chinesischen Männer wurde dann ohne Prozess und ohne Urteil in das Arbeitserziehungslager Langer Morgen im Hafengebiet eingewiesen. Bei Zwangsarbeit im Hafen und bei der Trümmerräumung sowie durch die Misshandlungen durch das Wachpersonal kamen mindestens 17 von ihnen ums Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Teile der Gründerzeitbebauung St. Paulis durch Bomben zerstört.
In den 1950er und 1960er Jahren fand das Vergnügungsviertel zu seiner alten Beliebtheit zurück. Eine besondere Rolle spielte dabei das Auftreten englischer Musikgruppen (The Beatles). In den 70er Jahren kam es zu einem deutlichen Niedergang von St. Pauli. Mit dem Start des Musicals Cats im Operettenhaus (1986) und der Eröffnung des Schmidt Theaters (198Smilie: 8) begann ein langsamer Wiederaufstieg, der bis heute anhält.
Bavaria St.-Pauli-Brauerei
Die Bavaria-St.Pauli-Brauerei (Hauptmarke Astra, 1998 an Holsten verkauft) stellte ihr Bier lange auf St. Pauli her. 2004 wurde die dort ansässige Brauerei abgerissen. Das Astra-Bier wird mittlerweile in der Holsten-Brauerei gebraut. Das Gelände wurde mit einer Wohnanlage und drei Hochhäusern bebaut (Hafenkrone).
Politik

St.-Pauli-Hafenstraße von der Elbe aus, davor Beachclub „StrandPauli“, ganz links St.-Pauli-Kirchturm (2009)
Historisch ist St. Pauli ein Ort gewesen, an dem sich diejenigen, die ein Bürgergeld in Hamburg nicht aufbringen konnten, niedergelassen haben, eben vor den Toren der Stadt. Hinzu kamen die anderweitig Unerwünschten, seien es störende Handwerker, Gastwirte oder Prostituierte, die aus der Stadt gewiesen wurden, oder unliebsame und stinkende Gewerbe, wie „Thranbrennereien“, Amüsierbetriebe und unerwünschte Institutionen, zum Beispiel der Pesthof. Auch nach der Einbeziehung in das Stadtgebiet und insbesondere mit der Flächensanierung der Hamburger Innenstadt um 1900 und der Auflösung des dortigen Gängeviertels wuchs der Zuzug der ärmeren Teile der Bevölkerung. So hat sich bis heute sowohl die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung, als eine der ärmsten in Hamburg, wie ihr Ruf, aufrührerisch und widerständisch zu sein, erhalten. Auch fühlen die Bewohner St. Paulis sich oft von der Regierung vernachlässigt oder übergangen, was zu entsprechenden sozialen und politischen Spannungen führt.
So gilt St. Pauli von jeher als „links“. Aufstände und Unruhen sind seit Beginn seiner Existenz verzeichnet, so nach der Deutschen Revolution von 1848/1849, während des Österreichisch-Preußischen Kriegs gegen Dänemark 1864, als auf der Reeperbahn österreichische Soldaten von der Bevölkerung angegriffen wurden, während des Hafenarbeiterstreiks 1896 oder am 19. April 1919, als es in Solidarität mit der Münchner Räterepublik zum Sturm auf verschiedene Polizeiwachen sowie zu Plünderungen durch die hungernde Bevölkerung kam.[5] Bis 1933 galt St. Pauli als eine der Hochburgen der KPD, bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 fielen in St. Pauli 35 % (Hamburg gesamt: 39 %) der Stimmen auf die NSDAP, 24 % (27 %) auf die SPD und 32 % (18 %) auf die KPD. Zum Ende der Weimarer Republik kam es wiederholt zu Schießereien zwischen dem Rotfrontkämpferbund und der SA.
Seit Anfang der 1980er-Jahre waren es insbesondere die Hausbesetzungen, die den Ruf des widerständischen St. Pauli beförderten, so die Hafenstraße ab 1981, später zum Beispiel Häuser am Pinnasberg/Heidritterstraße, die Jägerpassage in der Wohlwillstraße, die Bachterrasse (eine der drei Rebienschen Terrassen) in der Schanzenstraße („Schanze 41a“) oder die Lama-Häuser (Laeiszstraße/Marktstraße) im Karolinenviertel. Auch das seit 1989 besetzte Kulturzentrum Rote Flora im Schanzenviertel wird in dieser Kontinuität gesehen, auch wenn sie genau genommen bereits auf der Grenze zu Altona liegt, und von dem dortigen Bezirk aus verwaltet wurde. 2002 kam es in Schanzenviertel (jetzt Stadtteil Sternschanze), Karolinenviertel und dem restlichen St. Pauli über Wochen zu den so genannten Bambule-Unruhen, nachdem der damals neue bürgerliche Senat aus CDU, FDP und Schillpartei einen gleichnamigen Bauwagenplatz räumen ließ. Viele Anwohner und Einzelhandelsbetreiber solidarisierten sich mit den Demonstranten.
Für die Wahl zur Bürgerschaft gehört St. Pauli zum Wahlkreis Hamburg-Mitte, in dem die Wahlbeteiligung 2015 bei 44,6 % (hamburgweit: 56,5 %) lag. Am konkretesten zeigt sich die Ablehnung der herrschenden Politik durch die St. Paulianer in den Wahlergebnissen. So erhielten bei der Bürgerschaftswahl 2015 die LINKE 28,9 % (hamburgweit 8,5 %), die SPD 26,4 % (45,6 %), die Grünen 24,6 % (12,3 %), die CDU 4,1 % (15,9 %), die FDP 3,2 % (7,4 %) und die AfD 3 % (6,1 %).
Die Bevölkerung auf St. Pauli besteht heute aus Einwandererfamilien, die traditionell hier leben (teilweise seit mehreren Generationen), Studenten, Rentnern, Sozialhilfeempfängern, Selbstständigen, Künstlern und Intellektuellen. Seit Mitte/Ende der 1990er-Jahre wurde das Viertel aufgrund seiner innenstadtnahen Lage und durch gezielte Umstrukturierungsmaßnahmen in manchen Ecken als „chic“ angesehen, die Mieten stiegen, allein 2005 um durchschnittlich 20 Prozent. Es kommt aufgrund der erhöhten Nachfrage zu Mietsteigerungen bei Neuvermietungen, so dass sich die Bevölkerungszusammensetzung verändert. Ein bedeutender Teil des Wohnungsbestandes wird von der stadteigenen Wohnungsgesellschaft SAGA verwaltet.

Quartiere

Vielfach wird „St. Pauli“ als Synonym für den Kiez an der Reeperbahn gebraucht

Legendär: Diskothek Grünspan

Erotic Art Museum
Kiez
Obwohl St. Pauli ein bedeutendes Wohnquartier in Hamburg ist, ist der Stadtteil vor allem durch sein Vergnügungs- und Rotlichtviertel, das Gebiet im Süden des Stadtteils, bekannt, das auch als der Kiez bezeichnet wird. Dieses umfasst jedoch nur ein behördlich festgelegtes Teilgebiet, in dem für die Gastronomie keine Sperrstunde gilt.[6] Das betrifft die Reeperbahn, den Spielbudenplatz und weitere Parallel- und Seitenstraßen wie die Herbertstraße und die Große Freiheit. Tatsächlich gibt es auf St. Pauli größtenteils kleinbürgerliche Wohnstraßen oder Arbeitergegenden. Das Stadtviertel ist auch bei Studenten und jungen Künstlern wegen der günstigen Wohnungsmieten, der zentralen Lage und des ausgesprochen vielfältigen und toleranten Milieus sehr beliebt. So gibt es auf St. Pauli noch einige fast parallel zueinander lebende soziale Schichten, die sich nur gelegentlich berühren.
Außer den hier stattfindenden Veranstaltungen und Volksfesten sorgten auch immer wieder kriminelle Vorkommnisse für Berichte in der Presse: Bandenkriege zwischen Zuhältern (etwa die Auftragsmorde durch Werner Pinzner), Nepp durch Gastronome, der Mörder Fritz Honka und – insbesondere seit Mitte der 2000er-Jahre – Körperverletzungen durch aggressive Gewalttäter. Dennoch konzentriert sich das Hamburger Nachtleben zunehmend auf St. Pauli, nachdem die traditionellen Eckkneipen in den Wohnquartieren weitgehend verschwunden sind und den „Schmuddelkinos“ am Steindamm erfolgreich der Kampf angesagt wurde.
Theater


Am Spielbudenplatz: St. Pauli Theater, Schmidt Theater und Schmidts Tivoli, Operettenhaus.
An der Reeperbahn: Imperial Theater, Pulverfass Cabaret
Museen
Beatlemania Hamburg am Nobistor nähe Beatles-Platz (Erlebniswelt-Ausstellung zu den Beatles, deren Karriere an Großer Freiheit und Reeperbahn begann; von 2009 bis 2012, seitdem geschlossen)
Harrys Hamburger Hafenbasar in der Erich-, Ecke Balduinstraße (Mitbringsel von Seeleuten: Kunst/Kunsthandwerk aus Afrika, Asien usw., auch zum Kauf)
Panoptikum am Spielbudenplatz (Wachsfigurenkabinett)
Sankt-Pauli-Museum in der Davidstraße (Geschichte des Stadtteils und seiner Menschen)
Hamburger Schulmuseum in der Seilerstraße (Hamburger Schulgeschichte)
Erotic Art Museum Hamburg in der Bernhard-Nocht-Straße, 1992 gegründet
Kunst und Musik
Als Vergnügungsviertel beherbergt St. Pauli eine Vielzahl an Musik-Clubs, Kneipen und Diskotheken unterschiedlichster Stilrichtungen und Qualität, die jedes Wochenende Ziel von Hamburgern und Touristen sind. Laut der Wochenzeitung Die Zeit hat St. Pauli und die unmittelbare Umgebung rund um das Karoviertel die höchste Dichte an Plattenläden mit Vinyl-Schwerpunkt in Deutschland.
Schon die Swing-Jugend übte hier kulturellen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Viele (Musik-)Trends kamen aus England und anderen Ländern über St. Pauli in die Bundesrepublik (siehe auch Star-Club, Punk, The Beatles). Der Hafen diente auch als Tor und Umschlagplatz für neue Ideen und kulturelle Strömungen.
Auf St. Pauli finden sich mehrere kleine Kunstgalerien, von denen einige von Künstlern selber geführt werden.
Die Kneipe La Paloma am Hans-Albers-Platz wurde vom Maler Jörg Immendorff betrieben. Die Hans Albers darstellende Statue auf dem Platz wurde ebenfalls von Immendorff gestaltet.
Gastronomie

Statue auf dem Hans-Albers-Platz
Das Angebot ist unüberschaubar, von der Wurstbude bis zur Sterneküche ist Kulinarisches aus allen Teilen der Welt zu finden. Zu finden ist zum Beispiel das älteste italienische Restaurant (eröffnet 1905) der Hansestadt, das Cuneo.
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten, die mit dem Kiez auf St. Pauli in Verbindung stehen:
Hans Albers
Willi Bartels
The Beatles
Cisco Berndt
Jan Fedder
Holger Hanisch
Salomon Heine
Stefan Hentschel
Olivia Jones
Hein Köllisch
Corny Littmann
Liselotte Malkowsky
Nate57
Domenica Niehoff
Freddy Quinn
Achim Reichel
Harry Rosenberg
Kalle Schwensen
Gebrüder Wolf
Günter Zint
Karo- und Schanzenviertel
Das Gebiet des Karolinenviertels ist durch das Heiligengeistfeld deutlich vom übrigen Stadtteil abgegrenzt. Durch die Aufgabe des Schlachthofgeländes – heute befindet sich dort nur noch der Fleischgroßmarkt – wächst es eher mit dem benachbarten Schanzenviertel (Stadtteil Sternschanze) zusammen. Gerade das Karo-Viertel ist mit seinen vielen Graffiti- und Streetart-Werken ein Anlaufpunkt für Interessierte.
St. Pauli-Süd
Im Bereich Pinnasberg/Hein-Köllisch-Platz wurde eine kleine Fläche von St. Pauli der Altonaer Altstadt zugeordnet (193Smilie: 8), sodass die nur für Altona (und eben nicht für das hamburgische Gebiet) typische Große Freiheit seitdem in St. Pauli, hingegen die St.-Pauli-Kirche jetzt in Altona liegt.
Am heute gleichfalls altonaischen Pinnasberg befindet sich mit dem Antonipark eine fantasievolle Parkanlage, die von Bürgern und Künstlern gemeinsam erstritten und gestaltet wurde (Park-Fiction-Projekt).
Regelmäßige Veranstaltungen

Hamburger Schlagermove 2015 auf der Helgoländer Allee

Blick vom Riesenrad des Hamburger Doms


Dreimal jährlich findet auf dem Heiligengeistfeld der Hamburger Dom, ein Jahrmarkt, statt. Jeweils im Mai wird der Hafengeburtstag gefeiert, ebenfalls ein großes Volksfest. Der jährliche Schlagermove, ein Umzug nach dem Muster der Loveparade, aber mit deutscher Schlagermusik, führt in der Regel über Spielbudenplatz und Reeperbahn.
Erwähnenswert sind außerdem der allsonntäglich stattfindende Fischmarkt sowie die Heimspiele des FC St. Pauli.
Seit 2006 findet auf der Reeperbahn jährlich im September das Reeperbahn-Festival statt.
Infrastruktur


Ecke in St. Pauli mit Wohnhäusern und Gastronomie, August 2012

Panorama über St. Pauli (September 2004)
Bis in die 1990er Jahre war St. Pauli eines der ärmsten Stadtviertel Europas. Durch die Deindustrialisierung des Stadtteils und den daraus resultierenden Umzug von Unternehmen wie MontBlanc, Hermann Laue und der Bavaria-St.Pauli-Brauerei hat sich die Gewerbestruktur stark gewandelt: Heute ist die wirtschaftliche Situation von vielen Unternehmen im gastronomischen, handwerklichen und künstlerischen Bereich geprägt, wobei die Vergnügungsindustrie nach wie vor den wichtigsten Faktor darstellt. St. Pauli ist der wichtigste Vergnügungs- und Tourismusstandort Hamburgs. Durch die innenstadtnahe Lage, die gute Infrastruktur sowie das reichhaltige Angebot an Gastronomie und Musikclubs ist St. Pauli mittlerweile eine beliebte Wohngegend und rapide steigende Mieten kennzeichnen den Wohnungsmarkt. Zwar gibt es noch die normalen Straßen links und rechts der Reeperbahn, in der sich die Nachbarn noch kennen. Doch der Verdrängungswettbewerb drückt weniger zahlungskräftige Mieter aus dem Stadtteil. Die Sanierungspolitik der Stadt und die Vermietungspraxis der städtischen Wohnungsunternehmen fördern diesen Prozess. Die englische Zeitung The Guardian zählte am 20. Januar 2012 St. Pauli zu einem der fünf lebenswertesten Orte auf der Welt.
Bauwerke


Die St. Pauli-Landungsbrücken sind ein schwimmender Schiffsanleger mit einem großen, dem Jugendstil angelehnten Empfangs- und Verwaltungsgebäude. Es ist die größte Anlage dieser Art in Deutschland. Von hier fahren Hafenfähren, -rundfahrtschiffe und -barkassen, Passagierschiffe im Unterelbedienst sowie die Katamarane nach Stade und Helgoland ab. Auf den Pontons sind diverse Restaurants und Souvenirläden zu finden.

Das ehemalige Israelitische Krankenhaus
Der Alte Elbtunnel (1911) hat ein tempelartiges Eingangsgebäude neben den Landungsbrücken in dem Fahrzeuge mit Fahrkörben auf die Tunnelsohle gebracht werden. Das technische Denkmal mit Majolikareliefs geflieste Tunnelröhren dient heute noch seiner Bestimmung.
Die barocke St.-Josephs-Kirche auf der Großen Freiheit von 1721 wurde nach schweren Kriegsschäden als Neubau hinter der erhaltenen Fassade errichtet und in den letzten Jahren re-barockisiert.
Die in Backsteingotik 1893–1894 erbaute Friedenskirche ist eine von mehreren von Johannes Otzen entworfenen Kirchen in Hamburg. Die daran vorbeiführende Otzenstraße wurden nach ihm benannt.
Die ehemals evangelische Gnadenkirche ist heute die russisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt (siehe: Orthodoxe Kirchen in Hamburg)
Das Israelitische Krankenhaus wurde von Salomon Heine zum Andenken an seine Frau gestiftet und 1841 bis 1843 errichtet; der Architekt war Hinrich Klees-Wülbern. Bis 1939 wurde es in den ursprünglichen Räumen betrieben, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Nach dem Wiederaufbau beherbergte das Gebäude den Schulärztlichen Dienst. Hier arbeitete auch ein Kinderarzt, der nicht approbiert hatte und als Sanitäter im Krieg gearbeitet hatte. Ein Neubau erfolgte in der Nachkriegszeit in Alsterdorf. Im Jahr 2000 zog unter anderem die Ortsdienststelle St. Pauli in diese Räume.
An der Elbe liegt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das größte Institut für Tropenmedizin in Deutschland.
Daneben ist in der alten Navigationsschule der Deutsche Wetterdienst (ehem. Seewetteramt) und daneben das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie untergebracht.
Oberhalb der Landungsbrücken liegt auch das 1863 als Seemannsheim und -hospital ehemalige Seemannshaus das durch einen Turm und Ausbauten heute das Hotel Hafen Hamburg beherbergt.
Das dahinter liegende Hafenkrankenhaus wird heute teilweise als Gesundheitszentrum St. Pauli genutzt.
Auf dem Bavaria-St.-Pauli-Brauereigelände entstanden nach Einstellung des Betriebes 2003, drei den Stadtteil überragende Hochhäuser, wie das Empire Riverside Hotel
Wenig bekannt ist, dass Hamburgs höchstes Hotel (Radisson Blu Hotel Hamburg) und auch das Congress Center Hamburg (CCH) noch in einem Ausläufer des Stadtteils liegen.
Auch die Hamburger Messehallen und das höchste Gebäude, der Heinrich-Hertz-Fernsehturm werden nicht immer mit dem Stadtteil in Verbindung gebracht.
Parkanlagen
Ein Teil der Parkanlagen von Planten un Blomen (westlich der Marseiller Straße) liegt im Stadtteil. Es handelt sich um jenen Teil auf dem Gelände des ehemaligen Zoologischen Gartens und der Dammtorfriedhöfe der 1935 für die Niederdeutsche Gartenschau hergerichtet wurde und nach mehrmaligen Internationalen Gartenbauausstellungen heute der gesamten Anlage, die die Westseite des Stadtteils bis zum Millerntor säumt, seinen Namen gab. Zwischen Millerntor und Landungsbrücken liegt auch Alte Elbpark, der zum kleineren Teil noch im Stadtteil liegt. Außerhalb oder besser unterhalb des Stadtteils an der Elbe liegt auch der Antonipark eine fantasievolle Parkanlage, die von Bürgern und Künstlern gemeinsam erstritten und gestaltet wurde (Park-Fiction-Projekt).
Verkehr


Eingang der U-Bahn-Station St. Pauli
Der Stadtteil ist durch zahlreiche Linien des öffentlichen Nahverkehrs im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) erschlossen. Neben den von den Landungsbrücken fahrenden HADAG-Fähren bestehen mehrere Buslinien, die die zahlreichen Haltestellen anfahren. Auf diesen besteht teilweise auch ein Nachtbetrieb, wie auch bei den Bahnlinien an Wochenende.
Die Linien S1, S2, S3 der S-Bahn Hamburg fahren über den City-S-Bahntunnel die Station Reeperbahn und die (knapp hinter der Stadtteilgrenze liegende) Station Landungsbrücken an, die auch von der U3-Ringlinie der Hochbahn (U-Bahn Hamburg) bedient wird und mit den Stationen St. Pauli und Feldstraße den Stadtteil durchquert. Die Linie U2 hält am U-Bahnhof Messehallen (Ausgang Messehallen noch im Stadtteil) und nördlich des Stadtteils liegen ferner der U- und S-Bahnhof Sternschanze und der Fernbahnhof Dammtor.

 

Die Geschichte der Reeperbahn Die Reepschläger und ihre Bahnen

Als Vergnügungsviertel beherbergt St. Pauli eine Vielzahl an Musik-Clubs, Kneipen und Diskotheken unterschiedlichster Stilrichtungen und Qualität, die jedes Wochenende Ziel von Hamburgern und Touristen sind. Doch der geschichtliche Hintergrund der Reeperbahn ist ein ganz anderer.

Bilder: Historische Reeperbahn

Historische Ansichten von St. Pauli und anderen Vororten

Das Millerntor kurz vor Nachtsperre

Der Spielbudenplatz in St. Pauli

Hamburg historisch

Hamburg historisch

Hamburg historisch

Hamburg historisch

Historische Ansichten Hamburgs zur Franzosenzeit

Bilder: Historische Reeperbahn

Bilder: Historische Reeperbahn

Bilder: Historische Reeperbahn

Bilder: Historische Reeperbahn

Bilder: Historische Reeperbahn

Bilder: Spielbudenplatz Hamburg

Bilder: Spielbudenplatz Hamburg

Bilder: Spielbudenplatz Hamburg

Bilder Reeperbahn

Bilder Reeperbahn

Bilder Reeperbahn

Spielbudenplatz 1850. Akrobatik, Tierausstellungen und Volkstheater waren schon im 19. Jahrhundert Anziehungspunkt für Hamburger und auswärtige Besucher.

Die historische Hamburger Reeperbahn

Der Vorort Hamburger Berg

Die Geschichte des Vororts Hamburger Berg, so wie der spätere Stadtteil St. Pauli bis 1833 offiziell hieß, begann mit der ersten nachweisbaren Besiedlung durch ein Zisterzienserinnen-Kloster in Nähe des heutigen Fischmarkts um 1247. Gegründet wurde es von Gräfin Heilwig von der Lippe, der Ehefrau des Grafen Adolph IV. von Schauenburg und Holstein. Der Name des Gebiets entstand, weil sich hier der Geesthang wie ein bei Hamburg gelegener Berg erhob. Es bestand aufgrund militärischer und versorgungstechnischer Gründe nur rund fünfzig Jahre. Die Nonnen sind anschließend in ein anderes Kloster umgezogen. In 1429 schenkte Graf Schauenburg der Gattin des hamburgischen Bürgermeisters das Gebiet als Trockenwiese für ihre Wäsche – zum Dank für ihre Gastfreundschaft. Der Hamburger Berg stellte fortan den Übergang zwischen Hamburg und Altona, der Fischersiedlung, die um 1535 in der Grafschaft der Schauenburger entstand, sicher. Am jeweiligen Eingang standen die späteren Stadttore Millerntor (ab 1621), das zuerst Altonaer Thor hieß, und Nobistor.

Der Bau der Wallanlagen und der Dreißigjährige Krieg

Ab 1616 wurden zahlreiche Hügel der Vororte planiert, um Material für die Errichtung der Festungswälle zu gewinnen und zugleich freies Schussfeld (Glacis) vor den Mauern zu bekommen. Denn von 1618 bis 1648 herrschte in Deutschland Krieg. Der Bau der massiven Wallanlagen um die hamburgische Alt- und Neustadt dauerte bis 1625 und schützte die Stadt vor maßgeblichen Schäden in diesem Krieg. Fortan befanden sich Gebiete wie Eimsbüttel, Rotherbaum, St. Georg und eben auch der Hamburger Berg außerhalb der Stadt. Diejenigen, die es sich nicht leisten konnten in der Stadt zu wohnen oder dort unerwünscht waren, ließen sich in den nicht geschützten Vororten nieder – auch wenn die Ansiedlung wegen des freien Schussfeldes offiziell verboten war. Dazu gehörten Gastwirte, Prostituierte, Amüsierbetriebe und unerwünschte Institutionen, wie der Pesthof. Dieser Hof wurde in 1605 gegründet und war ein Krankenhaus für Seuchen und psychische Störungen. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Besiedlung innerhalb des Stadtwalls immer dichter. Immer mehr Handwerker und Betriebe, die ihrer Arbeit wegen Platzmangel, Geruchsentwicklung, Wasserverschmutzung oder Lärmbelästigung in der Stadt nicht mehr nachgehen konnten oder durften, zogen auf den Hamburger Berg.

Die Reepschläger und Seilermacher

Neben den schon genannten Personen- und Berufsgruppen lagerten auch die Reepschläger und Seilermacher ihr Handwerk ab zirka 1630 in den Vorort Hamburger Berg aus. Die alten Bahnen am Eichholz, unweit der heutigen Landungsbrücken, waren schlicht und einfach zu klein geworden. Denn eine wichtige Grundvoraussetzung für ihre Arbeit waren langen Bahnen, auf denen die bis zu 300 Meter langen Reepe oder Seile manuell hergestellt wurden. Diese Tätigkeit gab der um 1820/30 angelegten Reeperbahn ihren späteren Namen – anfänglich war sie unter dem Namen Altonaer Allee bekannt. Die hergestellten Taue, die hauptsächlich zur Verwendung auf Schiffen verwendet wurden, wurden im gesamten Viertel hergestellt – davon zeugt zum Beispiel die parallel zur Reeperbahn laufende Seilerstraße.

Die Amüsiermeile auf der Reeperbahn

Etwa im 17. Jahrhundert begann auch die Tradition der Amüsierbetriebe im Viertel. Ein Spielbudenplatz und ein Jahrmarkt wurden auf dem Gebiet ansässig. Im 18. Jahrhundert gewann der Vorort Hamburger Berg als Ausflugsziel für die Stadtbewohner zudem immer mehr an Bedeutung. Besonders beliebt waren Spaziergänge auf und vor den Wallanlagen. Im Jahr 1805 wurde das Lokal Trichter in unmittelbarer Nähe zum Millerntor erbaut. Den Namen verdankte es seinem auffälligen Dach: Einem spitz zulaufenden Oktogon. Ursprünglich handelte es sich um einen Holzpavillon, in dem Gäste kleine Erfrischungen zu sich nehmen konnten.

Geschichte der Reeperbahn

Von der Hamburger Vorstadt zum pulsierenden Herz der Elbmetropole

Stinkende Vorstadt

Als der Stadtteil St. Pauli Anfang des 17. Jahrhunderts als Vorstadt gegründet wurde, hieß er noch Hamburger Berg. Der gleichnamige “ Hügel“ war 1620 planiert worden, um ein freies Schussfeld vor den Stadtmauern am damaligen Millerntor zu haben. Deshalb war auch zunächst eine Bebauung aus diesem Grund verboten. Jedoch wurden nur kurze Zeit später Gebäude, deren Betrieb starke Gerüche, Lärm und Wasserverschmutzung verursachten, dorthin verbannt. Auch die Reepschläger, die wegen der immer weiter fortschreitenden Bebauung der Hamburger Innenstadt für das Trocknen ihrer Seile im Laufe der Zeit zu wenig Platz hatten, wichen auf die Vorstadt aus.

Offiziell war das Wohnen auf dem Hamburger Berg erst ab Ende des 17. Jahrhunderts erlaubt. Ab diesem Zeitpunkt verlegte die Stadt Hamburg zudem die Pest-, Kranken- und Armenhäuser dorthin. Etwa zur gleichen Zeit begann auch die Tradition des Amüsierbetriebs in diesem Gebiet.

ERSTMALIGE ZERSTÖRUNG DURCH NAPOLEONS TRUPPEN

Unter der napoleonischen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde St. Pauli von den Franzosen vollständig zerstört. 5000 Wohnungen, Lokale und Tanzsäle wurden über Nacht niedergebrannt – wiederum um ein freies Schussfeld zu haben. Nach dem Abzug der Franzosen wurde die Vorstadt sehr schnell wieder aufgebaut und bereits 1820 war der vorherige Zustand wieder hergestellt.

Aufstieg des Amüsierviertels und Eingemeindung

Erst 1833 wurde der Hamburger Berg in das Stadtgebiet aufgenommen und in St. Pauli umbenannt, auch wenn der Stadtteil immer noch außerhalb der Stadtmauern lag. Ende des 19. Jahrhunderts war der Aufstieg der Amüsierbetriebe nicht mehr aufzuhalten. Die Bretterbuden auf dem deshalb so genannten Spielbudenplatz wurden ersetzt durch feste Bauten, in denen Theater, Varietés, Trinkhallen und andere Amüsierbetriebe einzogen.

Es entstanden die so genannten Hamburger Singspiele – Volksstücke mit Musik, eine Art typisch Hamburger Operette. Besonders beliebt waren die Gebrüder Wolff, die „Jungs mit dem Tüddelband“. Aber auch moderne Schauspiele von Ibsen oder Opern von Richard Wagner wurden aufgeführt. Auch der erste Kinosaal Hamburgs öffnete hier seine Pforten. Gegenüber dem Operettenhaus stand die Volksoper, architektonisch mit dem Wiener Burgtheater vergleichbar. Dort sangen Stars wie der weltberühmte Tenor Richard Tauber.

 

Zerstörung der Freiheit und Vielfalt des Stadtteils

Durch den Hafen und die bunte Amüsiermeile wurde St. Pauli zum ersten Schmelztiegel der Kulturen und Nationen – „Multikulti“ würde man heute sagen. Es gibt bis heute noch das Spanier- und Portugiesenviertel. In der Schmuckstrasse befand sich sogar Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines Chinatown. 1943 wurden jedoch die letzten der 350 Chinesen von den Nazis in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert.

Die Nazis wollten St. Pauli erneut komplett zerstören und ein groß angelegtes Parteizentrum errichten. Doch daraus wurde nichts, stattdessen gab es für den Amüsierbetrieb weitere Repressalien wie das „Animierverbot“: Die Stripperinnen durften sich zwar weiterhin ausziehen, doch in dem Moment, in dem die „letzte Hülle“ fiel, mussten sie starr stehen bleiben, eben nicht mehr animieren. Später wurde dann noch das Strippen komplett verboten – wie auch die Prostitution. Selbst den Nazis war klar, dass ein totales Verbot dieses typischen Gewerbes hier nicht mit aller Konsequenz durchzusetzen war. Also wurde es nur in einer Gasse geduldet – in der Herbertstraße. Damit aber niemand im Vorbeigehen sehen konnte, was eigentlich nicht sein durfte, ließ die Gauleitung Sichtblenden davor errichten – und die stehen bis heute davor.

Nach dem 2. Weltkrieg war der größte Teil der Gründerzeitbebauung St. Paulis durch Bomben zerstört. Dank der beiden Bunker – der eine auf dem Heiligengeistfeld, der andere dort, wo heute das Parkhaus unter dem Spielbudenplatz liegt – konnten sich viele Anwohner vor dem unbeschreiblichen Bombenhagel in den letzten Kriegsmonaten retten. Tagelang war kein Sonnenlicht über Hamburg zu sehen. Die Rauchschwaden der Feuersbrunst verdunkelten den Himmel. Der Wiederaufbau begann.

 

Die Nachkriegszeit

Als Vergnügungsviertel beherbergt St. Pauli heute eine Vielzahl an Musik-Clubs, Kneipen und Diskotheken unterschiedlichster Stilrichtungen und Qualität, die jedes Wochenende Ziel von Hamburgern und Touristen sind. Viele Musik-Trends kamen aus England und anderen Ländern über St. Pauli nach Deutschland und Europa. Der legendäre Star-Club, in dem einst die Beatles begannen, ist ein Beispiel dafür.

Ende der 80er Jahre begann eine neue kulturelle Ära des Stadtteils. Das Schmidt Theater und das Musical „Cats“ ergänzten das Angebot des St. Pauli Theaters, das mit seiner über 160-jährigen Tradition Hamburgs ältestes Theater ist. Es folgten das Schmidts TIVOLI, das Imperial Theater und die Fliegenden Bauten. Mittlerweile locken die sieben Bühnen rund um den Kiez jährlich 1,5 Millionen Besucher an. Und alle aus eigener Kraft und ohne öffentliche Subventionen.

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