Erinnerung an die Flut 1962

[galleryview id=31 showPanels=true showCaptions=false showFilmstrip=true panelWidth=740 panelHeight=600 panelScale=nocrop transitionSpeed=800 transitionInterval=4000 fadePanels=true frameWidth=60 frameHeight=40 filmstripPosition=bottom pointerSize=8 frameScale=crop frameGap=5 frameOpacity=0.3 easingValue=swing navTheme=dark startFrame=1 pauseOnHover=true]

Hintergrund
Der elbnahe, tief gelegene und dicht besiedelte Stadtteil Wilhelmsburg hatte durch die Sturmflut 1962 besonders viele Tote zu beklagen.

Insgesamt werden bei der Sturmflut 1962 120 Quadratkilometer des Hamburger Stadtgebiets überflutet. In diesen Gebieten wohnen ca.
100 000 Menschen. 20 000 von ihnen verlieren vorübergehend ihr Obdach.

247 Hamburger sterben, darunter 172 aus Wilhelmsburg.

Fotos: Sammlung Ewald Rüffer, Wilhelmsburg

Hamburg hatte auch deshalb so viele Opfer zu beklagen, weil das verheerende Nachthochwasser vom Freitag, 16./17.2.62 noch am Abend von den Meteorologen viel niedriger eingeschätzt wurde. Die Menschen, deren Lebensraum seit 1825 nicht mehr von Deichbrüchen betroffen war, gingen einfach zu Bett. Sie hielten Sturmfluten für ein Problem der Nordseeanrainer. Das Fernsehen meldete um 22.15 Uhr erstmals, die Flut werde 3 1/2 m höher als sonst ansteigen. Es stieg schliesslich auf 5,18 m über Normal-Null. Das Wasser stand in der Altstadt bis zum Rathaus, in den Marschlanden nördlich der Dove-Elbe von Moorfleet bis Bergedorf. Am stärksten war der Süden Hamburgs betroffen. Alle elbnahe Gebiete zwischen Cranz und Bullenhausen standen praktisch bis zur Bahnlinie nach Cuxhaven am Fuße der Harburger Berge unter Wasser, mehr als 150 Quadratkilometer. Nur die Innenstadt von Harburg blieb verschont. In Wilhelmsburg stand das Wasser bis zu 3m hoch in den Strassen. (Quelle: Sonderdruck des Hamburger Abendblatts vom März 1962, Nachdruck aus ca. 2002). Betroffen war natürlich nicht nur Hamburger Gebiet, sondern die gesamte Westküste.

Abgrund
Das Waten durch überspülte Flächen war nur scheinbar ohne Risiko. An der Fährstrasse gab es bei den Strassenbahnschienen ein tiefes Loch in Mitten der sonst nur flach vom Hochwasser bedeckten Strasse. Diese Unterspülung lag an einer von Fussgängern häufig frequentierten Stelle. Anwohner, die aus dem Fenster guckten, konnten ahnen, was diesen Fussgängern passierte, wenn sie sich der Stelle näherten: Sie standen alsbald bis zur Gürtellinie im Wasser.

Was bleibt
„Ich war damals noch ein Kind von 7 Jahren als die Flut kam. Meine Mutter und ich wohnten in der Nähe vom Haulander Weg, quasi am Reiherstiegdeich in einer Plattenbausiedlung. Wenn unser Nachbar uns nicht mitten in der Nacht geweckt hätte, wären wir wohl auch jämmerlich ertrunken. Wir haben uns dann noch trockenen Fußes in die Gaststätte „Zur Linde“ gerettet, die damals ja schon erhöht lag. Nach mehreren Stunden des Wartens, zuletzt ohne Licht, wurden wir von Bundeswehrfahrzeugen abgeholt und kamen in die Friedrich-Ebert-Halle in Harburg. Dort verbrachten wir dann einige Tage einschließlich meines 8.Geburtstages in einer Turnhalle. Später wurden wir in die Heide evakuiert.Meine Mutter hatte mich, nachdem das Wasser abgelaufen war, einmal zu unserem ehemaligen Heim mitgenommen. Was ich damals sah, werde ich mein Lebtag nicht mehr vergessen. Das Wasser hatte1,80m im Haus gestanden. So ist unser damaliger Nachbar zu unserem Lebensretter geworden.“

Ute Baier im Dezember 2008

 

Schreibe einen Kommentar