Artus

Arthuriana

Die Artus-Sage

Es war einmal, vor einer langen Zeit, ein mächtiger und gerechter König namens Artus. Sein prächtiges Schloß trug den Namen Camelot, und dort versammelten sich die tapfersten und edelsten Krieger des Landes, die Ritter der Tafelrunde. Der Ratgeber Artus‘ war der weise Zauberer Merlin, der den jungen König vor der Hochzeit mit Guinever, in welche dieser sich verliebt hatte, warnte. Doch Artus befolgte den Rat des Magiers nicht, und heiratete Guinever. Diese verliebte sich in Lancelot, den besten und treuesten Ritter von Artus, und bald brachte die verbotene Liebe dem Reich des Königs den Untergang.

So lautet die Legende von Arthur, die wohl einjeder von uns irgendwann schon einmal gehört hat. Und wer kennt nicht die Magierin Morgana, Artus‘ Halbschwester, die ihrem Bruder nicht gut gesinnt war, oder wer hat noch nie von Excalibur gehört, dem magischen Schwert des Königs, welches ihm der Magier Merlin einst anvertraut hatte, das Land zu beschützen? Wer kennt nicht die Legende vom Heiligen Gral, auf dessen Suche sich die Ritter der Tafelrunde begaben, wackere und tapfere Krieger wie Perzival oder Galahad? Auch die tragische Liebesgeschichte von Artus‘ Ritter Tristan und der schönen Isolde hat bestimmt jeder schon einmal vernommen.

Doch wie schaute die Wirklichkeit aus? Hat König Artus, oder Arthur, wie ich diesen Mann in der Regel nennen werde, jemals existiert? Wenn ja, wo lagen sein Königreich und wo seine Burgen, wer waren die Ritter, die für ihn kämpften? Und, wenn nein; wer war oder ist Arthur, rex quondam, rexque futurus, der einstige und zukünftige König, der nie einer war?

Die Ursprünge der Legende 

Die Geschichte von Arthur ist alt; seit mehr als 1500 Jahren wird sie erzählt. Das Bild, welches wir heute von „König Artus“ haben, entstand größtenteils im Mittelalter, und wurde durch die Erzählungen von Geoffrey of Monmouth, Chrétien de Troyes, Sir Thomas Malory und weiteren geprägt. Arthur war jedoch ein Mann 6. Jahrhunderts. Die Autoren, die später seine Legende niederschrieben, erzählten zwar eine Geschichte, die etwa 500 bis 1000 Jahre vor ihrer Zeit, nämlich um 500 nach Christi Geburt, handelte, aber beschrieben als Ort der Handlung ihre eigene Gegenwart.

Es gibt kaum Beweise für die Geschehnisse, welche sich in den etwa einhundert Jahren, die zwischen dem Abzug der Römer und der Machtübernahme der Angelsachsen lagen, in Britannien ereigneten. Es gibt eine Menge Quellen, welche über diese Zeit berichten; doch die meisten wurden erst viel später verfasst, und viele sind zudem noch widersprüchlich. Es scheint, dass wir, je weiter wir uns von diesem Zeitalter entfernen, umso mehr Informationen über es bekommen, und wir müssen uns fragen, wie verlässlich diese sind. Die einhundert Jahre sind das Zeitalter der Sagen und Dichtungen, und nicht umsonst spricht man auch von den Dark Ages, der dunklen Zeit.

Aus eben dieser Dunkelheit heraus tritt Arthur. Wir wissen nicht, ob er eine historische Persönlichkeit ist, oder „nur“ eine fiktive Sagengestalt der Dark Ages. Es steht nur fest, dass Britannien zu eben jener in Aufruhr war, und dass jemand es vermochte, noch einmal, für eine kurze Zeit, Ruhe und Ordnung in diese Wirren, welche das Verschwinden der römischen Herrscher und die Ankunft der sächsischen Besatzer über das Land gebracht hatten, zu bringen. Arthur füllt diese Lücke in der Geschichte Britanniens, das Jahrhundert der Dark Ages, so perfekt wie kein anderer.

Die vielen Erzählungen, die es über Arthur gibt, stellen ihn als mächtigen Herrscher dar, der auf seiner prachtvollen Burg residierte, als Ritter in seiner glänzenden Rüstung, der auf seinem edlen Ross durchs Land ritt, und als gläubigen Christen, der seine Anhänger auf die Suche nach dem Heiligen Gral schickte. Der „wirkliche“ Arthur war jedoch eine keltische Persönlichkeit.

Historische Vorgeschichte 

Die Kelten in Britannien 

Das geheimnisvolle Volk der Kelten kam von Osten her nach Britannien. Sie brachten ihre Kultur, fremde Bräuche und Rituale, mit auf die Insel. Wenig ist bekannt über das Alte Volk, jene Menschen, die vor ihnen dort lebten. Zeugnisse, die sie hinterlassen haben, sind die gewaltigen Steindenkmäler, wie zum Beispiel Stonehenge. Die ersten eindeutigen Beweise auf eine landwirtschaftliche Nutzung des Landes datieren auf etwa 1200 vor Christus zurück; ab dem 8. Jahrhundert besiedelten keltische Stämme, vom europäischen Festland her kommen, das Land.
Ursprünglich bezeichnete man nur die auf dem Kontinent gelebt habenden Völker als „Kelten“, erst später nannte man auch die damaligen Bewohner der britischen Inseln so. Der Begriff „keltisch“ taucht zum ersten Mal in Berichten antiker Autoren auf, sein Ursprung ist nicht eindeutig geklärt. Die keltischen Völker haben sich wahrscheinlich nicht so genannt, es existieren keine eigenen Schriften von ihnen. Sie waren keine homogene Völkerfamilie, die einzelnen Völker hatten zwar viele Gemeinsamkeiten, aber auch eine Menge Unterschiede. Da sie selber ihrer Nachwelt keinerlei Aufzeichnungen hinterließen, entstand schnell das Bild der unkultivierten „Barbaren“, erst die moderne Archäologie gab einen wirklichen Aufschluss über ihr Leben. Die keltischen Völker haben eine wichtige Rolle bei der Entstehung des europäischen Lebens gespielt.
Britannien hat sich in gewissem Maße selbständig entwickelt. Die Inselbewohner führten zwar regen Handel mit dem Mittelmeerraum, aber ansonsten besaß Britannien vor der römischen Invasion keine allzu große Bedeutung in der Geschichte Westeuropas.

 

Britanniens Besetzung durch die Römer 

Im Jahr 43 nach Christus befielt der römische Imperator Claudius I die Eroberung Britanniens, und dies ist der Anfang einer fast 400 Jahre dauernden römischen Herrschaft. Knapp einhundert Jahre zuvor, 55 vor Christus, hatte zwar Julius Caesar mit seinen Truppen schon britannischen Boden betreten, jedoch keine Eroberungen durchgeführt. Nach der römischen Invasion durch Claudius wird Britannien, nachdem die dort ansässigen Völker mehrere Jahrzehnte lang erbittert gegen ihre Besatzer gekämpft haben, zu einer Provinz Roms, welche von römischen Gouverneuren regiert wird. Um 85 nach Christus erreichen die römischen Truppen sogar das heutige Schottland, doch dieses Gebiet wird, ebenso wie Irland, nie erobert und romanisiert, die dort lebenden Pikten bewahren ihre Unabhängigkeit.
115 kommt es zu einer Revolte der britischen Stämme gegen ihre Besatzer, woraufhin der Imperator Hadrian nach Britannien kommt und zwischen dem Solway Firth an der Irischen See und der Mündung des River Tyne im Osten einen 117 km langen Schutzwall, den Hadrian’s Wall, erbauen lässt. 30 Jahre später wird weiter nördlich, zwischen dem Fyrth of Clyde und dem Firth of Forth, der engsten Stelle des Landes, der Antoine’s Wall, ein weiterer Schutzwall, erbaut.
200 Jahre lang ist es relativ friedlich auf der Insel. 383 wird Magnus Maximus, von den Walisern Macsen Wledig genannt, von der römischen Armee in Britannien zum Imperator erklärt. Mit einem Heer Freiwilliger setzt er auf den europäischen Kontinent über und führt dort Eroberungen durch, er kommt sogar bis nach Rom, wird dann aber geschlagen. 395 stirbt Theodisius, der letzte Imperator, der ein ungeteiltes römisches Reich regiert hat, und hinterläßt seinem einen Sohn, Arcadius, das östliche Reich, und Honorius, seinem anderen, jüngeren Sohn, die Gebiete im Westen. Die Macht eines Imperators ändert sich von einer absoluten Herrschaft zu einer bloßen Staatsführerrolle. Der römische General Stilicho reorganisiert, nach dem Debakel des Magnus Maximus, die britischen Truppen. Zu diesem Zeitpunkt wird damit begonnen, militärische Macht von römischen Kommandeuren auf britische Stammeshäuptlinge zu übertragen. 402 wird Stilicho gezwungen, eine der beiden in Britannien stationierten römischen Legionen abzuziehen, um sie auf dem Kontinent gegen die Visigothen einzusetzen. Die Truppen kehren nie nach Britannien zurück. Vier Jahre später fallen die Barbaren in Gallien, dem heutigen Frankreich ein, und der Kontakt zwischen der britischen Insel und Rom wird unterbrochen. Die in Britannien zurückgebliebene Armee meutert, und ernennt hintereinander drei Imperatori, wobei die Regentschaften der ersten beiden nicht von langer Dauer sind. Constantine III ist der dritte, und dieser setzt sich, dem Vorbild Magnus Maximus‘ folgend, mit der übriggebliebenen zweiten römischen Legionen Britanniens nach Gallien ab.
Nach dem Abzug beider Legionen ist Britannien den Attacken von Sachsen, Pikten und Scoten ausgesetzt, und die auf der Insel gebliebenen Soldaten sind nicht in der Lage, die feindlichen Angriffe abzuwehren. 410, nachdem Britannien den Imperator Honorius um Hilfe gebeten hat, und dieser die Bitte nicht erfüllen konnte, gibt Rom Britannien auf.

 

Die Dark Ages 

Hier beginnen die eigentlichen Dark Ages. Es lässt sich kaum etwas konkretes über diese Jahre sagen, denn bis zu diesem Zeitpunkt war die Geschichte Britanniens von den Römern in Dokumenten festgehalten worden, und nun war dem so nicht mehr. Wir wissen relativ wenig über dieses Zeitalter, doch Fakt ist, dass Britannien in diesen Jahren demographisch aufgeteilt wurde, und zwar in einen brytonischen Westen, einen gaelischen Norden und einen teutonischen Osten, wobei das Land größtenteils christianisiert wurde.

In den beinahe 400 Jahren römischer Besetzung wurden die einzelnen britischen Stämme unter einer zentralen Herrschaft vereint. In gewissem Maße hatten die Römer Ordnung in das ungeordnete Britannien gebracht. Die methodisch geplanten und angelegten Römerstädte standen im Gegensatz zu den alten, pre-römischen Siedlungen der Briten. Auch die Römerstraßen, die diese Städte verbanden, waren geplant angelegt, sie verliefen in der Regel gerade, und hervorragen gebaut. Dieses sichere und gut organisierte Straßensystem garantierte eine leichte und schnelle Reise von Stadt zu Stadt. Die Römer bauten ebenfalls viele alte keltische Befestigungsanlagen wieder auf, so dass das post-romanische Britannien ein sehr gutes Verteidigungsnetzwerk hatte.
Ebenso hatten die Römer praktisch ihre gesamte Kultur und ihren Lebensstil, sowie ihr politisches System und das der Gesetzgebung mit auf die Insel gebracht. Die britischen Stämme übernahmen all dies größtenteils, wobei die Landbevölkerung noch eher unberührt von Einflüssen römischen Lebens blieb, die Stadtbewohner sich jedoch anpaßte. Als die Römer die Insel verließen, hinterließen sie dem Land Ordnung und Stabilität. Obwohl nun politisch unabhängig von Rom, verwalteten die Briten ihr Land nach römischen Vorbild. Nach ein paar Jahrzehnten verblassten die römischen Einflüsse jedoch zunehmend. Die feindlichen Stämme, die die Römer lange Zeit in ihre Grenzen verwiesen hatten, tauchten wieder im Land auf. Die Briten sind nicht in der Lage, diese Bedrohung abzuwehren, da es ihnen mittlerweile an einem einheitlichen politischen System mangelt, und kein Herrscher es schafft, die Stämme im Kampf gegen die Feinde zu vereinen, und eine einheitliche Armee gegen diese einzusetzen.

Nach und nach fällt die Herrschaft in die Hände von Tyrannen. Einer von diesen, der sehr wahrscheinlich wirklich existiert hat, ist Vortigern. „Vortigern“ war wahrscheinlich eher ein Titel, als ein eigentlicher Name. Geoffrey of Monmouth erzählt Vortigerns Geschichte, und wir können nicht mit Sicherheit sagen, was Fiktion, was Realität ist.

Vortigern gelangt etwa 445 an die Macht und wird Hochkönig Britanniens. Er setzt sächsische Hilfstruppen, die Foederati, im Kampf gegen die Pikten ein, und erlaubt den Sachsen, deren Herrscher die beiden Brüder Hengist und Horsa sind, sich in der südöstlichen Küstenregion niederzulassen. Dies ist der Beginn des „Kommens der Sachsen“, adventus saxonum. Eine Zeit lang funktioniert die britisch-sächsische Allianz, doch dann rebellieren die Foederati und holen weitere Verstärkung aus Germanien nach Britannien. Vortigern stirbt um 460 herum.

Die Sachsen schlossen sich wahrscheinlich mit den Pikten und Scoten zu einem mächtigen Feind zusammen. Diese Kriegswirren, feindliche Bedrohung an allen Grenzen, und ein ehemals geordnetes Land, dem nun jegliche einheitliche Ordnung fehlte, erbte der Mann, den wir als „König Artus“ kennen.

Die Entwicklung der Legende 

Keine und erste Erwähnungen 

Im 5. Jahrhundert n.C. publiziert Gildas, der ein Zeitgenosse Arthurs war, seine De Excidio Britanniae, doch erwähnt Arthur mit keinem Wort. Auch in Bedes Ecclesiastischer Geschichte des Englischen Volkes, 731 vollendet, kommt Arthur nicht vor. Zum ersten Mal erwähnt wird er von Nennius, der um 820 die Historia Brittonnum veröffentlicht und in dieser von den 12 Schlachten, die Arthur focht, berichtet. „… cum regibus Brittonum, sed ipse erat dux bellorum.“ Arthur kämpfte gegen die Sachsen, zusammen mit den britischen Königen, und war selber Dux Bellorum, also Heersführer, oder Kriegsherr. Nennius schrieb wohl zusammen, was er in alten Dokumenten fand, und erwähnte ebenfalls den Magier Myrddin, den wir später als Merlin kennenlernen werden, und den er walisischen Mythen entnahm. Die 12 Schlachten Arthurs, die Nennius beschreibt, konnten nie genau lokalisiert werden, und in vielen Versuchen legte man Orte fest, die über ganz Britannien verteilt sind. Weiterhin erzählt Nennius von Arthurs Hund Cabal und seinem Sohn Amir, oder Anir, welcher „… filius Arthuri militis erat et ipse occidit eum ibidem et sepelivit.“ – also der Sohn des Kriegers Arthur war, der ihn selber dort (laut Nennius in einer Gegend namens Ercing) erschlug und begrub.
Eine weitere frühe Erwähnung Arthurs findet man in dem epischen Gedicht Y Goddodin, das um 600 n.C. verfasst wurde, aber man vermutet, dass diese Passage dem Werk erst später beigefügt wurde.
Um 1019 n.C. wird Arthur in einer bretonischen Legende das erste Mal als König erwähnt.

Geoffrey of Monmouth, Chrétien de Troyes und Sir Thomas Malory 

Zur mündlichen Überlieferung tritt um 1136 die schriftliche Fassung von Geoffrey of Monmouth (1129-1159). Dieser schöpft seine Historia Regum Britanniae aus alten Legenden und Sagen, und beruft sich auch auf Nennius‘ Werk. Die Geschichte der britischen Könige lässt Arthur, scheinbar vom Legenden- und Märchengestrüpp befreit, in voller Größe erscheinen. Geoffrey lässt seine Geschichte im 6. Jahrhundert nach Christus spielen, erzählt sie aber so, als fände sie in seiner eigenen Gegenwart, dem 12. Jahrhundert, statt. Bis heute schildern die meisten Geschichten über Arthur ein 6. Jahrhundert, welches das äußere Erscheinungsbild eines 12. Jahrhunderts hat, mit Turnieren, Ritterkämpfen und Minnegesang.
Kaum 20 Jahre nach dem erscheinen von Geoffrey’s Geschichte der britischen Könige übersetzt der englische Dichter Wace das lateinische Stück in französische Verse und fügt ihm dabei die Tafelrunde, die wahrscheinlich aus einer Sage bretonischer Herkunft stammt, hinzu.
Am Ende dieses Jahrhunderts vermehrt Chrétien de Troyes den Hofstaat des Königs um weitere Helden, wie etwa Lancelot und Yvain, und verleibt der Geschichte Arthurs den riesigen Komplex der Legende des Heiligen Grals ein. Viele mittelalterliche Dichter und Autoren, vor allem französische, widmen sich der Sage, und fügen ihr mehr und mehr Helden, Drachen und mythische Rituale hinzu. Seit dieser Erzählung verkörpert König Artus einen Herrscher, wie ihn sich die Menschen des Mittelalters wünschten. Arthur wurde zu einer Identifikationsfigur; ein König, fair, gerecht, gütig und klug zugleich, der es verstand, sein Reich besonnen, und auch energisch, zu regieren.
Die wohl bekannteste Geschichte von Arthur aus dieser Zeit ist Sir Thomas Malorys Le Morte d’Arthur, die eigentliche Proto-Version „unserer“ Artus-Sage.

Geoffrey of Monmouth: Tintagel und Arthurs Geburt 

Als Geburtsort Arthurs nennt Geoffrey Tintagel im heutigen Cornwall. Die Festung Tintagel wurde erst im 12. Jahrhundert gebaut, aber wahrscheinlich, jüngere Ausgrabungen belegen dies, stand hier zu Arthurs Zeiten einst ein Kloster.

Tintagel ist die Burg des Herzoges Gorlois. Dieser hat eine schöne, junge Gemahlin, welche Igraine heißt. Als Uther, der Pendragon, zum Hochkönig Britanniens ernannt wird, bittet er alle Edelleute des Landes zu sich, um ein großes Fest zu seinem Amtsantritt zu feiern. Auch Gorlois und Igraine reisen an den Hof des Hochkönigs. Als dieser die junge Herzogin sieht, verliebt er sich augenblicklich in sie, doch Igraine ist die plötzliche Aufmerksamkeit Uthers unangenehm, also bittet sie ihren Mann, sobald wie möglich abzureisen. Am nächsten Tag begeben sie sich zurück nach Cornwall. Als Uther ihr Verschwinden entdeckt, ist er sehr entzürnd und erklärt Cornwall den Krieg. Mit seinem Heer zieht er in das kleine Königreich. Gorlois lässt seine Frau in Tintagel, um sich selber in einer anderen Fest zu verschanzen. Uther belagert diese Festungen, doch als sie sich beide als uneinnehmbar erweisen, bittet er den Magier Merlin um einen Zauber. Dieser verwandelt den König in das Ebenbild Gorlois‘, und bringt den vermeintlichen Herzog nach Tintagel, zu Igraine. Doch während Uther, in der Gestalt Gorlois‘, der Herzogin beiwohnt, töten seine Leute den richtigen Herzog. Boten reiten nach Tintagel, um Igraine die traurige Nachricht zu überbringen. Und, wen treffen sie dort an? Einen lebenden Gorlois. Doch Uther, noch immer in Gorlois‘ Gestalt verzaubert, verlässt die Burg, um kurz darauf als Hochkönig zurückzukehren und Igraine zu seiner rechtmäßigen Gattin zu nehmen.

So wurde, laut Geoffrey of Monmouth, Arthur gezeugt, mit Hilfe einer kleinen, nicht sehr feinen, aber wirksamen Intrige.

Robert Wace: Die Tafelrunde 

Die Tafelrunde ist, seitdem Robert Wace sie der Geschichte Arthurs hinzufügte, ein fester Bestandteil der Legende des Königs, obwohl man vermutet, dass sie einen ganz anderen Ursprung hat.

Diese Tafelrunde ist ein Geschenk von König Leodegrance, die seine Tochter Guinever als Mitgift mit in die Ehe mit Arthur bringt. Angeblich hat Merlin einst diesen gewaltigen, kreisrunden Tisch angefertigt., und zwar für den Hochkönig Uther, der ihn als Zeichen der Freundschaft an Leodegrance weitergab. Mit Guinever fand der monströse Tisch seinen Weg zurück an den Hof von Uthers Sohn Arthur. 150 Ritter finden an der Tafelrunde Platz. Keiner ist den anderen übergeordnet, denn aufgrund der kreisförmigen Anordnung der Plätze sind alle gleich. Jeder Ritter hat seinen eigenen Platz, und durch Merlins Zauber kann man über den noch unbesetzten Plätzen die Namen künftiger Ritter lesen.

Chrétien de Troyes: Lancelot und Guinever / Der Heilige Gral 

Laut Chrétien de Troyes wird die Königin Guinever entführt, und Lancelot, der tapferste und edelste Ritter Arthurs, befreit sie. Jedoch begehen die beiden Ehebruch, und dies bedeutet den Fall Camelots. Von nun an ist, bei allen späteren Autoren, die verbotene Liebe der beiden der Grund für den Zerfall von Arthurs Reich.

Es war Chrétien de Troyes, der der Artus-Sage den riesigen Komplex der Grals-Suche hinzufügte. Der Legende nach kam der Heilige Gral mit Joseph von Arimathea nach Britannien. Nach der Kreuzabnahme Jesu half Joseph bei der Waschung von Jesus‘ Leib, und fing Blut Christi wurde in einem Kelch, dem Gral, auf. Später ging Joseph nach Glastonbury, welches die erste christliche Gemeinde Britanniens war, und nahm den Heiligen Gral mit sich.
Die Suche nach dem Heiligen Gral war später das größte und edelste Abenteuer für Arthurs Ritter der Tafelrunde. Der Gral selber verlor dabei an Bedeutung, viel wichtiger war die Bedeutung der Suche und der Sinn dahinter. der Begriff der „Suche“ ist ein Leitmotiv der Artus-Sage geworden.

Sir Thomas Malory: Politische Propaganda 

Zur Zeit des „Krieges der Rosen“, dem Streit um die englische Thronfolge zwischen den Häusern Lancaster und York, wurde Arthur als Propagandasymbol für britische Einheit verwendet.

Malory verfolgte ein politisches Ziel, als er seinen Morte Darthur verfasste. Man vermutet, dass er zu dieser Zeit im Gefängnis saß, und seinen Schmerz über die im Land herrschende Gewalt und seine Sehnsucht nach einer geordneten Welt niederschrieb. Malory sehnte sich nach einem Arthur, der für Ruhe und Ordnung sorgen konnte.

Der Artus-Mythos heutzutage 

Mit Ende des Mittelalters gerät Arthur ein wenig in Vergessenheit, seine Popularität nimmt ab, so dass das goldene Zeitalter unter Elizabeth I praktisch ohne ihn stattfindet. Seine Wiederentdeckung erlebt der Arthur-Mythos dann im 19. Jahrhundert durch die romantische Bewegung. Der Sagenheld Arthur wird erschaffen. Aus dem Heeresführer des 6. und dem edlen Ritter und König des 12. Jahrhunderts wird nun der geheimnisvolle Held, der er bis heute geblieben ist. Sein Bild und Gehabe, das wir heute kennen, stammt aus dieser Zeit.
Heutzutage ist die Legende, Sage, Geschichte von Arthur noch immer sehr beliebt, in Büchern und Filmen wird sie immer wieder gerne aufgegriffen, auf unterschiedlichste Art und Weise. Seit beinahe 1500 Jahren wurde die Geschichte immer wieder aufs Neue niedergeschrieben, Elemente wurden hinzugefügt und weggelassen. Aber egal in welchem Jahrhundert er ihnen begegnete, Arthur hat die Menschen immer wieder fasziniert. Bis heute ist seine Geschichte eine offene Legende geblieben, obwohl die Arthur-Forschung in den letzten Jahrzehnten nicht untätig war und eine Menge interessanter Sachen entdeckt worden sind, so ist trotzdem nur wenig Licht in die Dark Ages gekommen. Jeder darf sich ein eigenes Bild von Arthur und seiner Geschichte machen, ob er nun ein Kaiser oder Kriegsherr ware, ein edler Römer oder Barbar, ein gläubiger Christ oder Heide; schon für die Menschen im frühen Mittelalter war er eine Lichtgestalt und ein Symbol für bessere Zeiten, und auch wir heutzutage dürfen ihn als unseren Traumkönig betrachten.

Alfred Tennyson: Der Verlust der menschlichen Werte 

Alfred Tennyson war Dichter am englischen Hof. Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb er seine „Königsidyllen“, welche großen Anklang bei den Leuten fanden.

Tennyson setzte den Untergang Camelots mit dem Untergang des ländlichen, friedvollen Englands gleich, denn die Industrielle Revolution hatte gerade begonnen, und Tennyson fürchtete die Bedrohung durch die aufkommende Technik.
Sein Camelot ist ein Symbol für das Goldene Zeitalter, dessen Verfall trotzdem nicht aufzuhalten ist.  Keine Bedrohung von außen, sondern interne Angelegenheiten, Liebesaffären, Freundschaften, Verrat und Betrug führen zum Untergang Camelots. Mordred, Arthurs illegitimer Sohn und einer seiner Ritter, begeht Verrat an dem König und reißt die Herrschaft über das Reich an sich. In der Schlacht von Camlann tötet Arthur Mordred, und wird dabei selber tödlich verwundet. Seine Halbschwester, Morgan Le Fay, bringt ihn nach Avalon und pflegt ihn dort, und eines Tages wird er nach Britannien zurückkehren. Guinever und Lancelot aber zeigen Reue; ihre Affäre hat zum Fall Camelots geführt. Guinever geht in ein Kloster, und Lancelot verbringt den Rest seines Lebens als Emerit.

Arthurs ganze Geschichte, ganz kurz (frei nach Geoffrey of Monmouth und anderen) 

Constantin wird zum Kaiser von Britannien ernannt. Er heiratet und hat drei Söhne, Constans, der als Mönch ins Kloster geht, Ambrosius Aurelanius, und Uther. Constantin wird von Vortigern, einem ehrgeizigen Fürsten, gestürtzt und ermordet. Für eine kurze Zeit setzt Vortigern den jungen Constans als eine Art Marionetten-König ein, tötet dann jedoch auch diesen, und übernimmt die alleinige Herrschaft Britanniens. Er erlaubt den Sachsenkönigen Hengist und Horsa, sich mit ihren Leuten an der süd-östlichen Küste niederzulassen, und heiratet Hengists Tochter Rowenna. Die beiden jungen Prinzen Ambrosius und Uther werden von ihren Leibwächtern nach Armorica, in die Bretagne, gebracht. In den folgenden 20 Jahren wachsen sie dort auf und scharen Anhänger um sich, um dann später zurückzukehren und die Herrschaft wieder an sich zu nehmen. Vortigerns Macht wird schwächer, da seine beiden älteren Söhne, Vortimer und Catigern, gegen ihn rebellieren, und die Bevölkerung spaltet sich in eine pro-keltische und eine pro-sächische Partei auf. Den Aufstand seiner beiden Söhne schlägt Vortigern zwar noch, mit Hilfe seiner sächsischen Verbündeten, nieder, doch just zu diesem Zeitpunkt kehren Ambrosius und Uther aus ihrem Exil zurück. Sie landen in Cornwall, wo Gorlois herrscht, ein Verbündeter gegen die Sachsen und Vortigern. In einem kurzen Krieg fällt Vortigern, und Ambrosius übernimmt wieder die Macht des Landes, er wird zum Hochkönig Britanniens ernannt. Ihm gelingt es, die Sachsen in die östlichen Landesteile zurückzudrängen, und Frieden stellt sich ein. Nach zwei Jahren wird Ambrosius ermordet, und Uther, genannt „Der Pendragon“, übernimmt seine Nachfolge.
Zu seinem Amtsantritt als König bestellt Uther alle Könige und Königinnen zu sich. Bei diesem Anlass erblickt er zum ersten Mal Igraine, die junge und schöne Gemahlin seines alten Vernündeten Gorlois‘. Er verliebt sich in sie, doch Igraine ist die Aufmerksamkeit des Hochkönigs unangenehm, und sie bittet ihren Gemahl Gorlois, sobald wie möglich abzureisen. Am nächsten Tag kehren sie auf ihre Burg Tintagel zurück. Als Uther ihr Verschwinden entdeckt, ist er furchtbar wütend, und sammelt ein Heer um sich, mit welchem er in Cornwall einfällt. Gorlois versteckt seine Frau in Tintagel, und verschanzt sich selber in einer anderen Feste. Als sowohl diese als auch Tintagel sich als uneinehmbar erwisen, bittet Uther den Magier Merlin um einen Zauber. Merlin verwandelt den Hochkönig Gorlois und bringt ihn zu Ygernia nach Tintagel. Doch während er der Herzogin, in der Gestalt Gorlois‘, beiwohnt, töten Uthers Mannen den echten Gorlois. Boten reiten nach Tintagel, um Igraine die traurige Nachricht zu überbringen, doch dort finden sie einen lebenden, vermeintlichen Gorlois vor. Uther verlässt die Burg, um bald darauf in seiner eigenen Gestalt zurückzukehren und Igraine zu seiner rechtmäßigen Gattin zu nehmen. Sie heiraten, und Arthur wird geboren. Doch am Tage seiner Geburt erscheint Merlin, um das Gegenversprechen für seinen Zauber zu holen, nämlich den Knaben. Merlin bringt Arthur zu Sir Ector, bei dem der Junge, zusammen mit Ector’s eigenem Sohn Kay, aufwächst.
In den nächsten fünfzehn Jahren passiert nicht viel, im Land ist mehr oder weniger Ruhe. Dann stirbt der kränkliche Uther ohne einen Erben zu hinterlassen, das Land ist ohne König. Wieder läßt Merlin einen Zauber wirken: er läßt ein Schwert in einem Amboß, Amboß in einem Stein, erscheinen, mit der Anweisung, daß „derjenige, der das Schwert aus dem Stein zu ziehen vermag, rechtmäßiger König von Britannien sein soll“. Alle Edelleute des Landes versuchen es, aber nur der Knabe Arthur schafft es. Nach einigen Turbulenzen wird er zum Hochkönig von Britannien ernannt. Von der Nymphe Nimue erhält er das Schwert Excalibur, welches ihn unbesiegbar macht. Als erstes hat er gegen die Nordkönige zu kämpfen, die seinem Reich Logres zu schaffen machen. Er besiegt sie zwar nicht, entscheidet die Schlacht aber zu seinen Gunsten. Einer der Nordkönige, Lot von Orkney und Lothian, schickt seine junge Gemahlin Morgause zu Arthur. Der junge König verfällt der schönen Königin und zeugt ein Kind mit ihr – Mordred. Er weiß jedoch nicht, daß sie eine Tochter Igraines aus erster Ehe ist, oder vielmehr, dass er ein Sohn Igraines und Uthers ist. Merlin erzählt ihm alles über seine Abstammung, und Arthur bittet seine Mutter zu sich. Mit Igraine erscheint eine weitere Schwester, Morgaine, die zeitweise bei ihrem Bruder verweilt, aber auch in der Anderwelt auf Avalon, dem keltischen Totenreich, wo sie eine gewisse Machstellung durch ihre Zauberkünste besitzt, die sie auch in der wirklichen Welt anwendet. Morgaine und Arthur verbindet eine Art Haßliebe – sie schadet ihm, hilft ihm aber auch.
Arthur heiratet auf Anweisung seiner Ratsherren Guinever, die einen großen Rundtisch mit in die Ehe bringt, die Tafelrunde. Für den Tisch muß eine Halle her, für die Halle eine Burg, also wird Camelot erbaut. Arthur ernennt seine treuesten Gefolgsmänner zu Rittern der Tafelrunde. Dann werden die Sachsen erfolgreich bekämpft und vertrieben, Aufstände kleinerer Fürsten niedergeschlagen, Drachen und Riesen getötet und Jungfrauen befreit. Dann ist Frieden in Logres. Merlin stirbt, oder wird vielmehr von der Nymphe Nimue mit einem Bannspruch belegt, was für ihn dem Tod gleichkommt. Mit Merlin verliert Arthur seinen wichtigsten Berater. Da nun Frieden herrscht, herrscht auch Langeweile. Währen die Ritter versammelt an der Tafelrunde sitzen, erscheint plötzlich der Gral in einem grellen weißen Licht. Und so schnell verschwindet er auch wieder, und der König schickt seine Ritter auf die Hohe Suche nach dem Gral. Jahrelang suchen sie ihn, bis ihn drei Ritter finden, aber sie lassen ihn dort, wo er ist, da sie in ihm keinen Sinn mehr sehen.
Währenddessen begeht Guinever mit dem Ritter Lancelot Ehebruch, aber Arthur verzeiht ihr. Die Ehe von König und Königin ist kinderlos, also munkelt man, daß Arthurs Neffe (und Sohn) Mordred einmal seine Nachfolge antreten wird. Doch Mordred ist ehrgeizig und will alle Macht für sich. Ihm wird die Macht über Camelot und Logres anvertraut, während Arthur selber in Broceliande, auf dem Kontinent, ist. Mordred stellt ein eigenes Heer auf die Beine und begeht Verrat an Arthur. Es kommt zum Krieg zwischen den beiden, letztendlich fällt Mordred in der Schlacht von Camlann durch Arthurs Hand, aber er selber verwundet auch Arthur tödlich. Der sterbende König bittet seinen Freund Bedwyr, das Schwert Excalibur in den See zu werfen. Bedwyr befolgt die Anweisung, und als er Excalibur über das Wasser schleudert, taucht eine Hand aus dem See auf und ergreift das Schwert. Die Nymphen des Sees haben sich ihr Schwert wiedergeholt. Dann erscheint eine Barke auf dem See, die letztendlich den sterbenden Arthur nach Avalon bringt, wo er von seiner Schwester Morgaine gepflegt wird und eines Tages von dort aus in die Wirklichkeit zurückkehren soll. Nach dem Tod des Königs zerfällt Logres. Kurzfristig regiert ein entfernter von Arthur das Land, doch dann kehren die Sachsen zurück und übernehmen die Macht im heutigen England.

 

Übersicht 
1.0.0.0. Die Artus-Sage
1.1.0.0. Die Ursprünge der Legende
– 1.1.1.0. Historische Vorgeschichte
1.1.1.1. Die Kelten in Britannien
1.1.1.2. Britanniens Besetzung durch die Römer
1.1.1.3. Die Dark Ages
– 1.2.0.0. Die Entwicklung der Legende
1.2.1.0. Keine und erste Erwähnungen
1.2.2.0. Geoffrey of Monmouth, Chrétien de Troyes und Sir Thomas Malory
1.2.2.1. Geoffrey of Monmouth: Tintagel und Arthurs Geburt
1.2.2.2. Robert Wace: Die Tafelrunde
1.2.2.3. Chrétien de Troyes: Lancelot und Guinever / Der Heilige Gral
1.2.2.4. Sir Thomas Malory: Politische Propaganda
1.2.3.0. Der Artus-Mythos heutzutage
1.2.3.1. Alfred Tennyson: Der Verlust der menschlichen Werte
1.3.0.0. Arthurs ganze Geschichte, ganz kurz (frei nach Geoffrey of Monmouth und anderen)

 

 

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